Porsche auf Talfahrt
Autowerte überzeugen die Börse nicht

Die größten deutschen Autokonzerne gaben sich vor Beginn der Internationalen Automobil-Ausstellung zwar vorsichtig optimistisch, so recht glauben wollten die Finanzmärkte den neu gefassten Mut jedoch nicht.

HB FRANKFURT. Die Aktien aller im Deutschen Aktienindex notierten Autobauer fielen um überdurchschnittliche zwei bis drei Prozent. Größter Verlierer der Branche in Deutschland waren die Aktien von Porsche, die sogar zeitweise mehr als acht Prozent an Wert verloren. Viele Investoren nahmen nach Angaben von Händlern den Verzicht der Konzerne auf Prognosen für das nächste Jahr zum Anlass, Gewinne mitzunehmen. Der europäische Branchenindex verlor 2,3 % auf 181,87 Punkte.

Die Konzerne gaben sich auf den Pressetagen im Vorfeld der IAA überwiegend optimistisch, vermieden aber auch konkrete Ertragsprognosen. Die Konzerne hätten nicht wirklich negative Zahlen vorgelegt, hieß es in den Handelsabteilungen der Banken in Frankfurt. "Sie dürfen nicht vergessen, dass die Autowerte sich zuletzt außergewöhnlich gut entwickelt haben, aber, was von der Autoshow herüberkommt, ist einfach nicht positiv genug, um die jüngste Rally zu unterstützen. Daher nehmen die Investoren ihre Gewinne mit."

Die im Dax notierten Volkswagen-Aktien verloren gut drei Prozent. Europas größter Autokonzern erwartet zwar dank seines neuen Golf V für 2004 einen höheren Absatz und Gewinn, wollte eine konkrete Prognose aber nicht abgeben. Ähnlich verhielt sich BMW, die dank einer ganzen Reihe neuer Automodelle und erster positiver Signale von Seiten der Konjunktur für das nächste Jahr mit steigenden Absatzzahlen rechnen, aber konkret weder zum Gewinn noch zum Absatz etwas sagen wollten. Die Aktien fielen um mehr als zwei Prozent.

Die Daimler-Chrysler-Aktien setzten ihren Abwärtstrend vom Vortag fort und gaben ebenfalls nochmals gut zwei Prozent ab. Chrysler-Chef Dieter Zetsche bestätigte zwar, dass für das laufende Jahr bei der angeschlagenen US-Tochter Chrysler ein kleiner operativer Gewinn angestrebt sei. Doch verwies er auch auf die Risiken. Eine konkrete Prognose mochte auch Zetsche nicht abgeben.

Der Kurseinbruch von Porsche wurde im Handel vor allem mit den Aussagen von Finanzvorstand Holger Härter begründet, der mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr 2003/04 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters gesagt hatte: "Wir wären über ein stabiles Ergebnis sehr glücklich." Dies wurde von Händlern und Analysten als "Gewinnwarnung" verstanden, also als eine Senkung der bisherigen Prognose. Mit einem Verlust von gut sechs Prozent blieben die Porsche-Aktien auch im Verlauf schwach.

Analysten äußerten sich insgesamt derzeit wenig zuversichtlich über den weiteren Ausblick für die Autoaktien. Aus charttechnischer Sicht sehe das nicht gut aus, hieß es. Sowohl die Daimler-Chrysler-Aktien als auch die BMW-Aktien kämpften mit ihren Unterstützungslinien und könnten durchaus weiter fallen.

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