Porsche rückt in Europa-Index
Deutscher Aktienmarkt verliert an Gewicht

Der Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) stellt seine Indizes um. Deutschland gehört zu den großen Verlierern der Reform, die Hunderte Milliarden Dollar in Bewegung setzen wird.

mm FRANKFURT/M. Der führende Anbieter von Aktienindizes hat seine Karten auf den Tisch gelegt: MSCI veröffentlichte am Samstag die mit Spannung erwarteten Daten für seine große Indexreform. Zu den großen Verlierern der Umstellung gehört der deutsche Aktienmarkt. Betroffen sind vor allem Unternehmen, die einen hohen Staatsanteil oder Überkreuzverflechtungen mit anderen Firmen haben. Auch Japan und Frankreich werden in den MSCI-Indices an Gewicht verlieren. Dafür steigt die Bedeutung Großbritanniens und der USA.

Umschichtungen von 600 Mrd. Dollar erwartet

Bei den Branchen gewinnen neben Technologie auch Finanzen und Energie. Telekommunikation, Autos und Rohstoffe schrumpfen. Analysten erwarten durch die Reform weltweit Umschichtungen von rund 600 Mrd. Dollar an den Börsen. Während der deutsche Markt insgesamt auf der Verliererseite der Reform steht, dürften einige Einzelwerte von der Reform profitieren. So schaffte der Sportwagenbauer Porsche überraschend den Sprung in den MSCI-Europe-Index. Daneben rücken die Deutsche Post, Chiphersteller Infineon, der Pharmawert Altana und der Finanzdienstleiter MLP neu in das Marktbarometer.

Indices orientieren sich zukünftig an Streubesitz

MSCI wird, ähnlich wie andere Indexanbieter, seine Börsenbarometer ab November in zwei Schritten auf die Zahl der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens, den so genannten Streubesitz (Free Float), umstellen. Bislang berücksichtigt der Anbieter sämtliche Aktien einer Gesellschaft, also auch Anteile, die in festen Händen liegen. Ihren Abschluss soll die Reform Ende Mai kommenden Jahres finden. Doch bereits ab Juni 2001 wird MSCI provisorische Indices auf Basis der jetzt veröffentlichten Daten berechnen.

An die MSCI-Indices sind Anlegergelder von rund 3,5 Bill. Dollar gekoppelt. Zu den erwarteten massiven Umschichtungen kommt es, weil Fondsmanager, die ihre Investitionen an den MSCI-Indices ausrichten, Aktien mit niedrigem Streubesitz abstoßen und im Gegenzug Werte mit hohem Free Float zukaufen müssen. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten dennoch keine Verwerfungen am Aktienmarkt, da sich die Umschichtungen auf einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten verteilen würden.

Deutscher Aktienmarkt verliert an Gewicht

Im All Country World Index von MSCI wird das Gewicht von Deutschland um 0,95 Prozentpunkte sinken. Frankreich verliert 1,2 Prozentpunkte, und Japan gibt 1,3 Punkte ab. Dagegen steigt das Gewicht Großbritanniens um 1,1 Prozentpunkte, und die USA legen um 6,2 Punkte zu. Nach Schätzungen der Deutschen Bank könnten aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) rund 12,5 Mrd.Dollar abfließen. Insgesamt beziffern die Analysten die Umschichtungen in Europa auf 150 Mrd.Dollar.

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