Porsche steigert Verkaufszahlen in den USA
Marktanteil der US-Autokonzerne schrumpfte im April

Die US-Autokonjunktur hat sich im April nach einem besser als erwarteten ersten Quartal offenbar abgeschwächt und insbesondere die großen drei amerikanischen Hersteller belastet. Der Absatz der drei US-Hersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler ging im April zusammen um 16,3 % zurück.

Reuters FRANKFURT. Insgesamt schrumpfte der US-Automarkt nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Morgan & Co um etwa 10 %. Marktexperten sagten, die Einbußen lägen im Rahmen der Erwartungen. Erst die nächsten Monate würden zeigen, wie sich der Markt weiter entwickle. Die jüngsten Leitzinssenkungen der US-Notenbank könnten durchaus dazu führen, dass das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehe, hieß es.

Der US-Automarkt hatte im vergangenen Jahr getrieben durch Preisnachlässe der großen US-Hersteller ein Rekordvolumen von 17,4 Mill. Fahrzeugen erreicht. Angesichts der sich abschwächenden Konjunktur waren Branchenexperten für 2001 von einem Rückgang auf etwa 16 Mill. Fahrzeuge ausgegangen, die großen US-Hersteller - vor allem die Verluste schreibende US-Tochter von Daimler-Chrysler - hatten ihre Fertigung drastisch gekürzt. Bis Ende März hatte der Absatz aber hochgerechnet auf ein Jahr jeweils ein Marktvolumen von erneut mehr als 17 Mill. Fahrzeugen ergeben.

Leitzinssenkungen könnten US-Automarkt beleben

Jörg Pelk, beim Essener Marktforschungsinstitut Marketing Systems für Nordamerika zuständig, sagte, der Absatzrückgang im April komme nicht unerwartet. "Es war klar, dass sich die Nachfrage eintrüben wird." Nun würden die nächsten ein bis zwei Monate zeigen, wie sich der Markt entwickeln werde. So könnten die Leitzinssenkungen in den USA belebend wirken, da sich solche Schritte in den USA wegen des höheren Anteils der Fahrzeugfinanzierungen schneller auf den Automarkt auswirkten als in Europa. Durch die Zinsen werde der Rückgang unter dem Strich möglicherweise nicht so stark ausfallen wie von Marktbeobachtern zunächst befürchtet. Marketing Systems rechnet damit, dass der US-Automarkt 2001 ein Volumen von 16,7 Mill. Fahrzeugen erreichen wird, während pessimistischere Prognosen von einem Rückgang auf bis zu 16 Mill. Fahrzeugen ausgehen.

Die US-Notenbank hatte in den vergangenen Monaten die Leitzinsen mehrfach gesenkt, um die sich abschwächende Konjunktur zu stützen. Mittlerweile ist das Leitzinsniveau in den USA niedriger als im Euro-Raum, da die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen zuletzt konstant gehalten hat.

Auto-Analyst Albrecht Denninghoff von der HypoVereinsbank sagte: "Wenn sich die Zinssenkungen auswirken, kann man auf eine Belebung im zweiten Halbjahr hoffen." Entscheidend für die Marktentwicklung sei das Einkommen der Konsumenten. Im April war das Verbrauchervertrauen in den USA nochmals gesunken. In der Autobranche hieß es, Konsumenten machten sich angesichts der schwächeren Konjunktur Sorgen über ihre Einkommen. Denninghoff sagte weiter, er sei zuversichtlich, dass sich die US-Konjunktur "nur kurzzeitig" abschwäche und sich die Wirtschaft in einigen Monaten bereits wieder besser entwickle.

BMW konnte Absatz um 30,5 % steigern

Der Absatz von Marktführer GM ging im April ebenso wie die Verkäufe des Konkurrenten Ford um 15,7 % zurück. Die größten Einbußen verzeichnete die Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler mit 18 %. Analysten hatten einen Rückgang des Chrysler-Absatzes um bis zu ein Fünftel erwartet. Der Trend zu sinkenden Marktanteilen der US-Hersteller setzte sich auch im April fort. Hersteller aus Japan und Korea verzeichneten mit Ausnahme von Nissan zum Teil deutlich steigende Absätze. Der Absatz der deutschen Daimler-Pkw-Sparte Mercedes sank um 7,5 %, während BMW vor allem durch den Verkauf seines neuen Geländewagens X5 den Absatz um 30,5 %steigerte. Der Sportwagenhersteller Porsche verkaufte auf seinem Hauptmarkt im April 15,5 % mehr Fahrzeuge als im Vorjahr. "Die Schere geht immer weiter auseinander", sagte ein Analyst zu dem stärker als der Markt sinkenden Absatz der US-Konzerne.

George Pipas, bei Ford zuständig für die Marktanalyse, sagte, viele Konsumenten sorgten sich derzeit über die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze und über ihr Einkommen. "Sie stehen nicht auf der Bremse, aber sie haben im April das Gas ein wenig weggenommen." Paul Ballew von der Analyseabteilung von Marktführer GM sagte, es gebe keinen richtigen Abschwung auf dem US-Automarkt. Die Branche sei von den Spitzenwerten abgerückt, jedoch bewegten sich die Absätze noch auf einem gesunden Niveau.

Chrysler verwies darauf, dass die eigenen Absätze in den letzten zehn Tagen des April deutlich zugelegt hätten. Positiv sei auch, dass der Absatz der im vergangenen Jahr eingeführten Großraumlimousinen-Generation um 6 % zugelegt habe. Zudem stehe die Einführung des neuen Geländewagens Jeep Liberty in der kommenden Woche an, so dass man zuversichtlich für den weiteren Verlauf des Jahres sei. Ein Grund für den schwächeren April-Absatz war nach den Angaben auch mangelnde Kommunikation mit den Händlern über ein neues Anreizprogramm, das Prämien beim Übertreffen von Absatzzielen vorsehe. Wegen der schwächeren Nachfrage hätten viele Händler dann weniger Fahrzeuge bestellt.

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