Porsche und VW setzen auf sportlichen Geländewagen
Cayenne und Touareg sind ungleiche Zwillinge

Was kosten 2,2 Sekunden? Fast 32 000 Euro, wenn es um Autos geht. 7,8 Sekunden braucht der VW Touareg V10 TDI, bis er aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt, nur 5,6 Sekunden der Porsche Cayenne Turbo, der auf der gleichen Plattform basiert.

Reuters PARIS. Das Ergebnis einer bisher einmaligen Zusammenarbeit zwischen Porsche und VW hatte gleichzeitig Premiere auf dem Autosalon in Paris. Rund 68 000 Euro kostet die teurere Version des Touareg (41 300 die billigere), dem VW den Namen eines afrikanischen Stammes gegeben hat, knapp 100 000 Euro der größere Cayenne, in dessen 450-PS-Motor in der Vorstellung von Porsche - Chef Wendelin Wiedeking die Schärfe des gleichnamigen Pfeffers stecken soll.

Ganze zehn Prozent eigene Wertschöpfung stecken im Cayenne, wie Wiedeking im Interview mit Reuters freimütig zugibt - nicht zuletzt, da das Chassis komplett aus dem VW-Werk in Bratislava angeliefert wird. Das reiche neben dem Porsche-Triebwerk aus Zuffenhausen gerade noch für den Schriftzug am Heck, witzeln Beobachter. Die Unterschiede sind dennoch ebenso augenfällig wie die optische Gemeinsamkeit, wenn man von den typischen Porsche - Glubschaugen absieht.

Porsche-Chef Wiedeking, dessen Vermarktungsmaschine früher angelaufen war und mit der Einweihung des neuen Cayenne-Werks in Leipzig mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) schon im August ihren Höhepunkt erreichte, legt natürlich auf die Unterschiede wert: Wer ein Hochleistungs-Aggregat aus Zuffenhausen unter der Haube haben wolle, werde sich ohnehin nicht mit dem Dieselmotor von VW zufrieden geben. "Vor allem beim Turbo kriegen wir lange Wartelisten", weiß er aus den Vorbestellungen, die Porsche seit November angenommen hat - lange bevor der Preis bekannt war. Man werde sich deshalb gegenseitig nicht weh tun.

Doch der anlässlich der Enthüllung des Touareg verteilte Fahrzeugprospekt aus Wolfsburg für den Oberklasse-Geländewagen hört sich verdächtig ähnlich an. "Anders als bislang bekannte Automobile des Segmentes verbindet er (...) die Eigenschaften eines hochwertigen Geländewagens mit den Komfortmerkmalen einer Oberklasse-Limousine und den dynamischen Attributen eines Sportwagens." Denkbar, dass VW auch auf den Imagetransfer setzt. Auch die Zielgruppen gleichen sich: Jeweils mehr als die Hälfte der Jahresproduktion - mehr als 25.000 beim Cayenne, bis 70.000 beim Touareg - soll in die USA gehen.

Beide Autos kommen spät - die konkurrierenden und in den USA sehr erfolgreichen BMW X5 und Mercedes M-Klasse sind schon Jahre zu haben. "Der Markt wird uns sagen, ob wir zu spät dran sind", sagt VW-Chef Bernd Pischetsrieder. "Aber schauen Sie sich den (Minivan) Sharan an. Da waren wir auch hinten dran und sind doch Marktführer geworden."

Die Rolle der beiden Gelände-Sportwagen (SUVs) für Porsche und VW könnte trotz allem unterschiedlicher nicht sein. "Wir bieten zum ersten Mal einen Erst-Wagen an", sagte Wiedeking. Der typische Porsche-Fahrer habe bisher durchschnittlich drei Autos in der Garage stehen, nun steige die Chance, dass gleich zwei davon das Porsche-Pferdchen auf der Motorhaube zeigen. Dagegen macht VW mit dem Touareg den zweiten Gehversuch im Luxussegment nach dem Phaeton.

Was kosten 27 PS? Nichts. Der Cayenne S kostet mit seinen 340 PS knapp 8000 Euro weniger als der Touareg V10 TDI, der nur 313 PS in die Waagschale wirft. Aber das relativiert sich beim Blick auf die Tankuhr: 14,9 Liter Super schluckt der Porsche, 12,2 Liter Diesel der VW. Die Autofahrer haben die Wahl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%