Portale für die Exportwirtschaft
Ab ins Ausland

Für die Exportwirtschaft wird das Internet zu einem wichtigen Werkzeug: Schnell und einfach können sich Unternehmen im Web über Länder, potenzielle Kunden und Wettbewerber informieren. Hier können Sie Geschäftspartner im Ausland akquirieren

HB DÜSSELDORF. Das Produkt ist schon ein bisschen speziell: Backblech-Putzmaschinen für Bäckereien. Damit will ein Familienbetrieb aus dem nordfriesischem Viöl das Ausland erobern, und zwar per Internet: Die Firma KD-Bäckereimaschinen sucht online nach Vertriebspartnern. Das Unternehmen hat sich in eine Web-Datenbank eingetragen, die die deutschen Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit ihren Niederlassungen im Ausland betreiben: das E-Trade-Center. Mehr als 4 000 ausländische und deutsche Unternehmen fahnden dort nach neuen Geschäftspartnern. "Einen Großauftrag haben wir noch nicht ergattert", sagt KD- Geschäftsführerin Birgit Putz, aber immerhin: "Es kam schon eine Anfrage aus Argentinien." Die deutsche Exportwirtschaft entdeckt das Internet. "Außergewöhnliche Möglichkeiten" für den Außenhandel sieht Dietmar Schmid, Vorstandsmitglied der BHF-Bank, im Web. Und Dirk Helfmann von der Frankfurter Akademie für Welthandel ist überzeugt, das Netz sei in wenigen Jahren eine "elementare Voraussetzung für jedes internationale Geschäft". Gerd Herx, Direktor der Bundesstelle für Außenhandelsinformation (BFAI), sieht das ähnlich: "Die Bedeutung des Internets nimmt rasant zu."

Schon heute gibt es eine Reihe von Online-Angeboten speziell für die Exportwirtschaft - Ausschreibungs- und Patentdatenbanken, Lieferanten- und Produktverzeichnisse, Informationen über Länder, Branchen und Zollbestimmungen. "Wer die Angebote richtig nutzt, kann viel Zeit und Geld sparen", sagt Klaus Plaschka, Exportberater der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Die relevanten Inhalte zu finden, ist im Info-Dschungel des Internets allerdings nicht einfach. Portale für die Exportwirtschaft versuchen daher, Licht in das Dickicht zu bringen. Das Bundeswirtschaftsministerium betreibt die Seite Ixpos, die Links zu den Angeboten von Ministerien, Behörden, Kammern und internationalen Interessenverbänden bereithält; die BFAI bietet auf ihrer Web-Seite Zugriff auf sieben kostenpflichtige Datenbanken. Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg sind mit eigenen Exportplattformen online, daneben gibt es kommerzielle Anbieter: Exporterra, an dem die BHF-Bank zu 94 % beteiligt ist, und Local Global, das zu 80 % dem Nachrichtendienst VWD gehört, an dem auch das "Handelsblatt" beteiligt ist.

Wie innovativ ist der fremde Lieferant?

"Die Unternehmen nutzen das Internet im Exportgeschäft in erster Linie als Medium zur Informationsbeschaffung, nicht als Vertriebskanal", sagt Johannes Wagner, selbstständiger Export- und Marketingberater aus Reutlingen. "Es war noch nie so einfach, sich über Konkurrenten, Kunden und Lieferanten zu informieren."

Das Internet mache die Märkte deutlich transparenter, meint Wagner, Preise und Produkte ließen sich wesentlich einfacher vergleichen als bisher. "Wenn Sie wissen wollen, was ein Müllfahrzeug oder eine Flughafenbefeuerung kostet, finden Sie sehr wenige Preislisten. Im Internet werden solche Preise aber in Ausschreibungsdatenbanken veröffentlicht." Wertvoll seien auch Patentdatenbanken: Wer bei ausländischen Technologie-Unternehmen neu ins Geschäft kommt, kann laut Wagner zum Beispiel recherchieren, welche Patente die Firma angemeldet hat - und so überprüfen, wie innovativ der fremde Lieferant ist.

Allein die Suche nach Vertriebspartner und Kunden in fernen Ländern war bislang oft ein mühseliges Geschäft: "Wir waren auf Zufallskontakte angewiesen, auf Messekataloge und Nachschlagewerke, die häufig veraltet waren", berichtet Frederic Pape, Inhaber der AWU Präzisionswellen GmbH & Co. KG aus Castrop-Rauxel. Jetzt nutzt der mittelständische Hersteller von Walzen, Wellen und andere Komponenten für Maschinenbauer das Internet: Im Exportportal Exporterra informiert er sich über das Marktumfeld in fernen Ländern, über potenzielle Kunden und wichtige Wettbewerber. "Im Web komme ich viel schneller und einfacher an die wirklich wichtigen Informationen", sagt Pape, der seine Exportquote mit Hilfe des Internets von 20 % auf 50 % steigern will.

Zugang zu Exporterra hat seinen Preis

Exporterra bietet Zugriff auf zahlreiche Datenbanken - unter anderem auf 20 Millionen Unternehmensprofile der Wirtschaftsauskunftei Dun & Bradstreet, auf internationale Marktberichte, Länderanalysen und ein Lieferantenverzeichnis von 1,5 Millionen Firmen in rund 70 Ländern. "Das sind alles Informationen, die nicht frei im Web zugänglich sind", sagt Exporterra-Geschäftsführer Hans-Günter Wiesenack. Deshalb haben sie auch ihren Preis: Der Zugang zu Exporterra kostet pauschal 30 im Monat, für Datenbank-Recherchen fallen zusätzliche Kosten an - von 2 bis 4 für einen Zeitungsartikel bis zu mehreren hundert für detaillierte Marktstudien.

Neben den Recherchemöglichkeiten hat Exporterra einen Pool mit Außenhandelsspezialisten aufgebaut und vermittelt Exportfinanzierungen und Versicherungen. Unternehmen können mit wenigen Mausklicks Finanzierungsofferten mehrerer Banken vergleichen. Derzeit arbeitet das Portal mit der BHF-Bank, der Hypovereinsbank und der DG Bank zusammen.

Wichtigster Konkurrent von Exporterra ist Local Global, das eng mit der BFAI kooperiert. "Alle relevanten Informationen für Exporteure" will das Stuttgarter Unternehmen im Netz bereitstellen. Local Global veröffentlicht Informationen über Länder, Branchen und Unternehmen, wichtige Quellen sind VWD-Meldungen und die agentureigenen "Nachrichten für Außenhandel", eine Tageszeitung für die Exportwirtschaft, die auf der Web-Seite von Local Gobal im Volltext zugänglich ist.

Zugriff haben aber nur Abonnenten, ein Nutzer muss 40 pro Monat zahlen. Sie können auch in drei BFAI-Datenbanken nach Ausschreibungen in anderen Ländern, Geschäftswünschen ferner Firmen und Frühinformationen über wichtige Auslandsprojekte suchen. In Kürze will Local Global zudem ebenfalls die Firmendatenbank von Dun & Bradstreet in sein Angebot aufnehmen.

Einen wichtigen Vorteil der elektronischen Informationen sieht Local-Global-Chef Hans Gäng darin, dass die Unternehmen sie intern wesentlich schneller verteilen könnten: "Ihre Mitarbeiter in Singapur und Sao Paulo haben über das Netz genauso schnell Zugriff auf die Informationen wie die Firmenzentrale."

Und auf Dauer könnte das Internet das Papier womöglich komplett aus dem internationalen Handel verbannen: Das Unternehmen Bolero.net betreibt bereits als Tochter des Bankenverbundes Swift und eines Logistikverbandes eine E-Plattform, über die Handelspartner sämtliche Papiere digital austauschen können.

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