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Portos Stars wollen Erfolg versilbern

Gelsenkirchen (dpa) - Nach der Rückkehr auf den europäischen Fußball-Thron begann der Ausverkauf. Noch während die Porto-Fans auf den Rängen der Arena «AufSchalke» den 3:0 (1:0)-Sieg gegen Monaco euphorisch feierten, kündigten die Hauptdarsteller des FC Porto ihren Abschied an.

Gelsenkirchen (dpa) - Nach der Rückkehr auf den europäischen Fußball-Thron begann der Ausverkauf. Noch während die Porto-Fans auf den Rängen der Arena «AufSchalke» den 3:0 (1:0)-Sieg gegen Monaco euphorisch feierten, kündigten die Hauptdarsteller des FC Porto ihren Abschied an.

Der zweite Europapokal-Triumph binnen 12 Monaten hat die lange Zeit unterschätzten Portugiesen nicht nur zu Geheimfavoriten für die EM im eigenen Land, sondern auch zu umworbenen Stars gemacht.

«Wir haben Geschichte geschrieben. Die Aufgabe ist erfüllt, es wird Zeit für mich zu gehen», sagte Erfolgscoach José Mourinho, dessen Wechsel zum FC Chelsea als ausgemachte Sache gilt. Und auch der von Bayern München umworbene und zum Spieler des Tages gekürte Deco schien mit seinen Gedanken bereits woanders zu sein: «Es wird mir schwer fallen, den Verein zu verlassen. Aber wir müssen die Situation in den kommenden Tagen abwarten.»

Der überraschende Aufstieg des 20-maligen Landesmeisters zur internationalen Fußball-Großmacht hat die Begehrlichkeiten all jener geweckt, die dem Kollektiv aus Porto trotz wesentlich höherer Ausgaben nicht gewachsen waren. Neben Deco, der im Falle einer guten EM laut Vereinspräsident Franz Beckenbauer für den FC Bayern allerdings «zu teuer» werden dürfte, stehen Ricardo Carvalho und Paulo Ferreira vor dem Absprung. Beide Abwehrspieler sollen ihrem Trainer nach London folgen.

Gut möglich, dass Chelsea-Mäzen Roman Abramowitsch diesmal in die Richtigen investiert: Schließlich gilt der als arrogant verschriene Mourinho nicht erst seit dem Gewinn des UEFA-Cups im vorigen Jahr als Erfolgsgarant. Mit nur zwei Ausländern in seiner Anfangself wiederholte er vor 53 040 Zuschauern den bisher größten Triumph der Vereinsgeschichte im Jahr 1987, als Porto den FC Bayern im Landesmeister-Endspiel besiegte.

Mourinhos von großer taktischer Disziplin und defensiver Grundausrichtung geprägte Spielphilosophie stellte die Fußball-Hierarchie auf den Kopf. Nicht die Superstars aus Madrid oder Mailand, sondern seine vergleichsweise kostengünstigen Landsleute reckten die begehrte Champions League-Trophäe in den Gelsenkirchener Nachthimmel. Das erfüllte Portos Stürmer Benni McCarthy mit Stolz. «Jetzt fühlen wir uns galaktisch», sagte er in Anspielung auf das bereits im Viertelfinale gescheiterte Starensemble von Real.

Der 3:0-Erfolg der «Drachen» durch die Tore von Carlos Alberto (39.), Deco (71.) und Dimitri Alejnitschew (75.) versetzte das ganze Land in Freudentaumel. Nach Meinung von Mourinho war es eine perfekte Einstimmung für die Europameisterschaft im eigenen Land: «Unser Erfolg könnte der Nationalmannschaft einen Schub verleihen.» Immerhin sechs Profis aus seiner Elf stehen im Aufgebot von Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari. Allerdings gab Mourinho zu bedenken, dass der Druck für die Landesauswahl angesichts der nun gesteigerten Erwartungshaltung größer geworden sein könnte.

Der taktischen Disziplin des FC Porto waren auch die «Himmelstürmer» aus Monaco nicht gewachsen. In Gelsenkirchen konnte die Elf von Trainer Didier Deschamps in keiner Phase an die starken Leistungen anknüpfen, die noch zu den Überraschungserfolgen über Madrid und Chelsea verholfen hatten. Vor den Augen der gesamten Fürstenfamilie verspielten die Franzosen die Chance auf den ersten europäischen Titel. «Aus der Traum. Der AS Monaco fällt aus großer Höhe», titelte die Tageszeitung «Le Figaro». Ähnlich wie in Porto macht sich auch beim Finalgegner Aufbruchstimmung breit: Deschamps und der von Madrid ausgeliehene Angreifer Fernando Morientes dürften kaum zu halten sein.

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