Porträt
Alan Garcia mit mutigem Comeback

Als Alan García sein Amt verließ, war das Land vom Bürgerkrieg zerüttet, und die Inflation lag bei 7600 %. Für die traurige Bilanz benötigte der Sozialdemokrat García eine Amtszeit als Präsident Perus (1985 bis 1990). Dennoch stellt er sich am Sonntag ein zweites Mal zur Wahl.

afp LIMA. Und viele seiner Landsleute scheinen trotz der schlechten Erfahrung bereit zu sein, dem 51-Jährigen eine zweite Chance zu geben: Mit rund 18 % der Stimmen kann García laut der jüngsten Umfrage rechnen. Vor allem junge Wähler und die arme Landbevölkerung stehen hinter ihm und seiner Revolutionären Amerikanischen Volksallianz (APRA), einer der wenigen traditionellen Parteien Perus.

"Eine Demokratie mit Brot und Freiheit", verspricht der 1,90-Meter-Mann von der Rednertribühne herab und erntet dafür begeisterte "Alan, Alan"-Rufe. Dass die Peruaner unter seiner ersten Amtszeit für Brot Schlange stehen mussten, scheint vergessen. Für seine Anhänger zählt allein, dass der promovierte Anwalt als einziger Kandidat klar linke Positionen vertritt und den neoliberalen Wirtschaftskurs von Ex-Präsident Alberto Fujimori nicht fortsetzen will.

Als García 1985 als jüngster Präsident Südamerikas sein Amt antrat, ruhten große Hoffnungen auf ihm. Und in den ersten Jahren schaffte er es tatsächlich, die am Boden liegende Wirtschaft anzukurbeln und die Lebensverhältnisse tausender Peruaner zu verbessern. Mit seinen spontanen Reden auf dem Balkon des Regierungspalastes gewann der Bewunderer Willy Brandts die Sympathie der Bevölkerung.

Strafanzeige wegen Massakern

Doch das Vertrauen der nationalen und internationalen Wirtschaft schwand, als García die Rückzahlung der Auslandsschulden drosselte und versuchte, die Banken zu verstaatlichen. Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) erklärten Peru schließlich für kreditunwürdig. Die Korruption wucherte. Immer mehr Aufstände und terroristische Anschläge machten das Chaos komplett. 1990 wurde Fujimori vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise zum Nachfolger von García gewählt. Fujimori ließ gegen seinen Vorgänger ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption und Bereicherung im Amt einleiten. García ging ins Exil, aus dem er erst kürzlich nach mehr als acht Jahren nach Peru zurück kehrte. Tausende empfingen ihn begeistert auf der Plaza San Martín.

Und seither gelang es dem begnadeten und charismatischen Redner, immer mehr Peruaner erneut in seinen Bann zu ziehen. Auch eine Strafanzeige wegen Massakern in drei Gefängnissen 1986 konnte die wachsende Zustimmung für García nicht dämpfen.

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