Porträt
Alejandro Toledo - Vom Schuhputzer zum Präsidenten Perus

dpa LIMA. Der gewählte peruanische Präsident Alejandro Toledo hat eine Bilderbuchkarriere vom Schuhputzer zum Staatschef gemacht. Als Mestize und "Indio" war der 55-Jährige für die Mittel- und Oberschicht des Andenstaates eigentlich unwählbar. Doch so märchenhaft sich die Lebensgeschichte von Toledo auch anhört, so mulmig ist vielen Peruanern angesichts seines Wahlsiegs.

Zwar konnte er sich als mutiger Gegner des gestürzten Präsidenten Alberto Fujimori großen Respekt verschaffen, aber zugleich erschreckten sein aufbrausendes Wesen und sein Populismus viele Peruaner. Auch seine vielen Affären, bei denen es um Kokainkonsum, leichte Mädchen, Bankkonten in den USA und eine uneheliche Tochter ging, weckten bei vielen Zweifel an seiner moralischen Eignung.

Wahlversprechen, die nach Ansicht von Experten kaum eingelöst werden können, sorgten für weitere Verunsicherung. Größenwahnsinn warfen Kritiker dem Politiker vor, der sich mit Pachacutec, dem mythischen Inka-Führer, verglich. Sogar viele seiner Anhänger räumen ein, nur für Toledo gestimmt zu haben, weil sie seinen Herausforderer, den Ex-Präsidenten Alan Garcia, für noch zweifelhafter halten.

Toledo wurde am 28. März 1946 in der abgelegenen Indio-Ortschaft Cabana als Sohn eines mittellosen Arbeiters und einer Wäscherin geboren. Neben der Schule arbeitete Toledo in der Hafenstadt Chimbote als Schuhputzer und trug so zum Unterhalt der Familie bei. Mit geliehenen Büchern und Schulheften aus Packpapier sowie einer Portion Glück eroberte er sich ein Studienstipendium für die USA.

Mit einem Doktortitel der renommierten US-Universität Stanford in der Tasche arbeitete er bei der Weltbank und den Vereinten Nationen. Bei einer Präsidentenwahl trat er erstmals 1995 an. Die Niederlage hielt den Marktwirtschaftler nicht davon ab, sich 2000 erneut zu bewerben.

Erst da begann sein wirklicher Aufstieg. Nachdem Fujimoris Spitzelsystem andere Kandidaten aus dem Rennen geworfen hatte, fand sich Toledo plötzlich in der Rolle des Oppositionsführers wieder. Sein Widerstand unterminierte das Regime so stark, dass es im Herbst in sich zusammenstürzte. Ob er als Präsident nun das Zeug hat, den Rechtsstaat und die Wirtschaft wieder aufzubauen, ist sogar für viele seiner Wähler eine offene Frage.

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