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Porträt: Bertelsmann-Einstieg festigt Albert Frères Ruf als Finanzstratege

Nun hat Albert Frère auch einen Fuß auf deutsches Terrain gesetzt: Mit dem Einstieg seines Finanzkonzerns Groupe Bruxelles Lambert S.A. (GBL) bei Bertelsmann ist der belgische Milliardär Großaktionär bei dem deutschen Medienriesen geworden, der bislang als uneinnehmbare Festung galt.

afp BRÜSSEL. Albert Frère festigt mit diesem Schachzug seinen Ruf als gerissener Finanzstratege. In Frankreich ist der Name des 75-Jährigen längst ein Begriff. Der Baron zieht sowohl beim französische Energieversorger Suez Lyonnaise als auch beim Mineralölkonzern TotalFinaElf die Fäden. Doch trotz seines immensen Einflusses ist die Person Albert Frère eher unbekannt. Der Finnazmagnat lebt zurückgezogen und meidet den Medienrummel.

Dabei bietet seine Biographie durchaus Stoff für jede Menge Geschichten: Als Sohn eines kleinen Eisenwarenhändlers kam Frère 1926 zur Welt. Man sagt ihm nach, dass er schon als kleiner Junge in seiner Heimat, der belgischen Industriestadt Charleroi, Alteisen aus einem Handwagen verkaufte. Später wandte er sich lukrativeren Geschäften zu und häufte im Laufe der Jahre durch geschickte Transaktionen ein Vermögen an. Das US-Magazin «Forbes» schätzt Frères Reichtum auf umgerechnet rund 3,3 Milliarden Mark. In den eleganten und weltgewandten Kreisen der französischen Industrie-Elite wird dennoch über den Belgier gelächelt. Denn Frère ist ein Mann der Zahlen, nicht der Kultur und des eleganten Parlierens. Sogar während eines klassischen Konzerts, so erzählen Beobachter, notiere er eifrig Zahlenkolonnen.

Dennoch verfügt Frère über exzellente Kontakte. Mit einem der einflussreichsten Firmenlenker Frankreichs, Bernard Arnault, dem Chef des Luxusgüterkonzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH), ist er gut befreundet. Gemeinsam haben sie ein Weingut in der Region Bordeaux gekauft. Sogar zum belgischen König, der ihn 1994 zum Baron ernannte, hatte Frére einst direkten Zugang. Seit in Belgien die Stimmen aber immer lauter wurden, der Milliardär betreibe zum eigenen Vorteil den Ausverkauf belgischer Unternehmen wie der Bank BBL oder der Versicherung Royale belge, ist der König ein wenig auf Distanz gegangen.



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