Porträt
Bischof Franz Kamphaus: Rebell wider Willen

In der Diskussion über die Schwangerenberatung versteht sich der Limburger Oberhirte in erster Linie als Kämpfer für den Schutz des ungeborenen Lebens.

dpa LIMBURG. Als Rebell gegen den Vatikan hat sich der Limburger Bischof Franz Kamphaus selbst nie gesehen. Dabei hatte es der gebürtige Westfale mit seinem zähen Widerstand erreicht, dass sein Bistum mehr als ein Jahr lang als einzige Diözese in Deutschland in der staatlichen Schwangeren-Konfliktberatung blieb - gegen den Willen Roms. Am Freitag jedoch beendete Papst Johannes Paul II. den Limburger Sonderweg und ordnete den Ausstieg des Bistums aus der staatlichen Konfliktberatung an. Kamphaus bleibt aber im Amt.

In der Diskussion über die Schwangerenberatung versteht sich der Limburger Oberhirte in erster Linie als Kämpfer für den Schutz des ungeborenen Lebens. Wie der Papst ist Kamphaus ein entschiedener Gegner der Abtreibung - doch über die Frage, welcher Weg für die Kirche der richtige ist, gab es unterschiedliche Auffassungen. Für Johannes Paul II. ist jeder Schein, der zugleich auch bei einer straffreien Abtreibung verwendet werden kann, ein nicht zu akzeptierender Schritt zur Tötung menschlichen Lebens.

Abtreibung als "Skandal"

Auch für Kamphaus ist jede Abtreibung, wie er mehrfach erklärte, ein "Skandal". Die Kirche müsse aber jede Möglichkeit ausloten, Frauen davon zu überzeugen, nicht abzutreiben. Bei einem Ausstieg aus der staatlichen Konfliktberatung erreiche die Kirche aber einen Großteil der im Konflikt stehenden Frauen nicht mehr, argumentiert der 70-Jährige.

Kamphaus gilt als hervorragender Prediger, der sich leise, aber entschieden zu Wort meldet und nach seinen Überzeugungen handelt. So kritisierte der Limburger Bischof, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, den Militäreinsatz der USA in Afghanistan. In der Gentechnik-Debatte hat Kamphaus stets vor der Gefährdung der Menschenwürde gewarnt. Bei einem Rücktritt hätte er sich in dieser für ihn wichtigen Debatte "kaum noch zu Wort melden können", sagte Kamphaus am Freitag.

Theologie und Philosophie

Der 1932 im westfälischen Lüdinghausen geborene Bauernsohn Kamphaus besuchte ein bischöfliches Gymnasium am Niederrhein, anschließend studierte er in Münster und München Theologie und Philosophie. 1959 erhielt er die Priesterweihe. 1972 wurde er Professor für Pastoraltheologie in Münster und leitete jahrelang das Priesterseminar.

Im Juni 1982 wurde Kamphaus zum Bischof von Limburg geweiht, mit rund 735 000 Katholiken eines der kleineren deutschen Bistümer - und eine Diözese mit Gegensätzen: Zum Bistum gehören die Bankenstadt Frankfurt und die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden genauso wie ländliche Gebiete in Rheinland-Pfalz und Hessen. Als Bischofsstab benutzt Kamphaus einen Eichenstamm vom elterlichen Bauernhof. Sein Wahlspruch lautet: "Den Armen das Evangelium verkünden".

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