Porträt des neuen Chefs der regierenden LPD
Junichiro Koizumi: Reformpolitiker will Japan aus Krise führen

Der frühere japanische Gesundheitsminister Junichiro Koizumi will seinem Land einen politischen Kurswechsel verordnen. In einer Zeit der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Krise präsentiert sich der 59-jährige als energischer Verfechter von Strukturreformen.

dpa TOKIO. Um die Umstrukturierung der Binnenindustrie voranzutreiben, müsse sich die Nation darauf einstellen, eine Weile auf wirtschaftliches Wachstum zu verzichten. Dies könnte nach Meinung von Analysten mehr Pleiten und höhere Arbeitslosigkeit bedeuten. Ohne Schmerzen gehe es nicht mehr, meinte Koizumi im Wahlkampf mit der ihm eigenen selbstsicher, fast schon aggressiv klingenden Stimme.

So will er die jährliche Neuverschuldung des Staates drosseln und die Finanzmarktreformen beschleunigen. Außerdem tritt er seit langem für eine Privatisierung der Postsparkassen ein. Analysten warnen allerdings vor allzu großen Erwartungen. Zum einen habe Koizumi bisher noch keine Einzelheiten zu seinen Reformplänen geliefert. Zum anderen bleibe abzuwarten, ob er die versprochenen Reformen gegen die Konservativen seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP) durchsetzen kann. Koizumi hat angekündigt, die seit 1955 fast ununterbrochen regierende LDP zu demokratisieren. Er will damit drei Monate vor Oberhauswahlen das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen.

Durch seine "Palastrevolution" gegen die alte Machthierarchie der LDP ist er bereits zu einem der beliebtesten Politiker seines Landes aufgestiegen. Einer neuesten Umfrage der führenden Zeitung "Yomiuri Shimbun" nach unterstützen ihn 65 Prozent der Bevölkerung. "Wenn wir die LDP so belassen, wie sie ist, werden wir keine Zukunft sehen", sagte Koizumi, der aus einer Politikerfamilie in der Provinz Kanagawa stammt und selbst schon ein LDP-Veteran ist. Nun hat er angekündigt, die rivalisierenden Machtgruppen in der LDP abzuschaffen, die bisher stets über die Besetzung der höchsten Regierungsämter entschieden.

Als Ministerpräsident will er außerdem die Kabinettsposten nicht mehr wie bisher üblich nach Stärke der Parteiflügel, Parteikarriere und Alter besetzen, sondern Jungpolitiker, Frauen und qualifizierte Leute aus der Privatwirtschaft in die Ministerien holen.

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