Porträt
Ehud Barak - Ex-General mit kurzer politischer Karriere

dpa JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak, der am Sonntag nach nur 17 Monaten Amtszeit zurückgetreten ist, kann auf eine lange und erfolgreiche militärische Laufbahn, aber nur auf eine kurze, wenn auch steile politische Karriere zurückblicken.

1942 in einem Kibbuz in Nordisrael geboren, trat er bereits 1959 in die Armee ein, wo er einen Aufstieg erlebte, der seinem von ihm selbst angenommenen Namen "Blitz" (hebräisch: Barak) alle Ehre machte. Rasch wurde er zum Kommandeur einer Elite-Einheit und übernahm führende Positionen im militärischen Geheimdienst. Während des Sechs-Tage-Krieges 1967 befehligte er eine Aufklärungs-Einheit, im Jom-Kippur-Krieg führte er ein Panzer-Bataillon auf dem Sinai gegen Ägypten. 1982, zu Beginn des Libanon-Feldzugs, wurde er zum General-Major befördert und später stellvertretender Kommandeur der Streitkräfte in Libanon.

Der vermutlich spektakulärste Einsatz Baraks war jedoch eine Vergeltungsaktion nach der Ermordung elf israelischer Sportler durch das Palästinenser-Kommando "Schwarzer September" während der Münchner Olympiade 1972. Eine von ihm geleitete Todesschwadron spürte drei der PLO-Männer auf und erschoss sie in Beirut.

Im April 1991 übernahm Barak das Amt des israelischen Generalstabschefs. In dieser Funktion war er 1994 für den Rückzug von Israels Truppen aus dem Gazastreifen und Jericho (Westjordanland) im Rahmen des so genannten Oslo-Friedensabkommens mit den Palästinensern verantwortlich. Schon in dieser Phase bereitete der hoch dekorierte israelische Offizier, der akademische Grade in Mathematik und Wirtschaftswissenschaften besitzt, seine politische Karriere vor. Barak, verheiratet, drei Töchter, übernahm eine führende Rolle bei der Vorbereitung des Friedensvertrags Israels und leitete Verhandlungen mit syrischen Militärs, die jedoch scheiterten.

Im Juli 1995 wurde Barak von seinem Förderer und Vorbild, Ministerpräsident Izchak Rabin, zum Innenminister ernannt. Nach dessen Ermordung übernahm er unter Schimon Peres das Außenministerium bis zum Juni 1996, als der Likud-Politiker Benjamin Netanjahu zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Rabins Tod hatte die Arbeitspartei vor schwere Probleme gestellt. Barak erwarb sich in dieser Phase, vor allem nach dem Verlust der Mai-Wahl 1996 gegen den Führer des rechtsgerichteten Likud-Blocks, Benjamin Netanjahu, das Image des "Einzigen, der Bibi (Netanjahu) besiegen kann".

Nach einem internen Machtkampf mit Peres übernahm Barak erst im Juni 1997 die Führung der Arbeitspartei. Bei der Wahl im Mai 1999 schlug er Netanjahu dann klar mit 56 zu 44 %.

Barak, auch leidenschaftlicher Schachspieler und Amateur-Pianist, machte nach der Übernahme der Regierung im Juli 1999 den Friedensschluss mit allen Nachbarn zum Hauptziel seiner Politik. Alle Bemühungen scheiterten jedoch; nur der Rückzug Israels aus Süd- Libanon steht auf Baraks "Haben"-Konto. Der Nahost-Gipfel von Camp David am 25. Juli war ergebnislos. Danach sank Baraks Beliebtheit rapide. Zurzeit liegt er in Umfragen mit bis zu 19 %punkten hinter seinem rechtsgerichteten Widersacher Benjamin Netanjahu.

Doch ungeachtet der vernichtenden Kritik seiner vielen Gegner gab sich Barak in den vergangenen Monaten stets selbstwusst und siegessicher. "Die anstehenden Entscheidungen sind schicksalhaft und rechtfertigen alle Bemühungen, das empfindliche Gleichgewicht auf dem Weg zu einem Abkommen mit den Palästinensern nicht zu gefährden."

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