Porträt eines Vodafone-Vorstands
Thomas Geitner: Chris Gents starker Mann

Als Thomas Geitner nach der Mannesmann-Übernahme bei Vodafone anfing, wusste niemand, was eigentlich sein Job in Düsseldorf sein sollte. War er nicht bloß der Alibi- Mann im Vodafone-Vorstand, weil Konzernchef Chris Gent versprochen hatte, Düsseldorf zum zweiten Hauptsitz des britischen Mobilfunk-Riesen zu machen

DÜSSELDORF. ? Unter Geitners Zuständigkeiten jedenfalls - neben "Synergien" auch "globale Produkte" und "mobiles Internet-Geschäft" - konnte man sich nichts Handfestes vorstellen.

Das hat sich geändert. Inzwischen gibt es eine neue Handy-Generation für mobile Datendienste mit Bildübertragung. Und die Funktelefone und Dienste von "Vodafone live" sind weltweit einheitlich gestaltet. Mit ihrer Einführung wird noch etwas sichtbar: Geitner nimmt heute unangefochten Platz 3 in der internationalen Vodafone-Hierarchie ein - hinter Chris Gent und Julian Horn-Smith, dem Chef für das operative Geschäft (COO). In der Gerüchteküche um eine bevorstehende Ablösung Gents hört man deshalb neben Horn-Smith immer wieder den Namen des einzigen Deutschen im Vodafone-Vorstand.

Wenn Geitner im Düsseldorfer Vodafone-Tower, dem einstigen Mannesmann-Hochhaus, einen Konferenzraum betritt, zieht er als Erstes seinen Stuhl so um die Ecke des Tisches, dass eine Gesprächsrunde entsteht. Dann entledigt er sich seines Jacketts, setzt sich breitbeinig hin und stützt die Ellbogen auf die Oberschenkel. Der Blick durch die große Brille signalisiert Konzentration.

"Bei Vodafone wird nicht so diskutiert, dass einer den anderen über den Tisch zieht", sagt er. Auch wenn Horn-Smith als COO immer das letzte Wort hat. Den obersten Vodafone-Chef Chris Gent bewundert Geitner dafür, dass es ihm gelungen sei, die Chefs der weltweit verstreuten, starken Ländergesellschaften zu "einer Truppe aus Einzelunternehmern aufzubauen, die teamorientiert zusammenarbeiten", sagt der Leutnant der Reserve.

Wenn Vodafone am Dienstag (12.) in London seine Halbjahreszahlen präsentiert, wird Gent nach seiner Rede wohl wieder "Tom" vor das Mikrofon schieben, auch wenn der ungern im Rampenlicht steht. Doch es sind Geitners Abteilungen, aus denen nach dem Ende der Zeiten für große Mobilfunk-Fusionen die Erfolgsmeldungen kommen: Die Synergieeffekte beim zentralen Einkauf von Netzkomponenten und Handys für alle Vodafone-Länder kommen schneller zum Tragen als geplant. Und die Qualität von "Vodafone live" erhält von Branchentestern gute Noten - vor allem für die einfache Bedienbarkeit der Handys.

"Wenn ich ein Auto kauf?, les? ich auch keine Betriebsanleitung", sagt der gelernte Maschinenbauer mit leicht schwäbelndem Akzent. Als bodenständig, pragmatisch und zupackend beschreiben ihn Mitarbeiter. Aber auch als extrem kostenbewusst und als "harten Hund", wenn es um Sanierung und Arbeitsplatzabbau geht, wie sich einige frühere Weggefährten erinnern.

Geitner hätte noch vor sechs Jahren nie erwartet, in der Telekommunikationsbranche zu landen. "Ich bin da bei RWE zugegebener Maßen nolens volens hingekommen", beschreibt er den Zufall, dass 1997 im Konzernvorstand das neue Ressort Telekommunikation seiner Maschinenbau-Sparte zugeschlagen wurde. Als die Telefontochter Otelo 1998 einen glatten Fehlstart in den liberalisierten Festnetzmarkt hinlegt, muss Geitner ran: Neun Monate saniert er Otelo - bis zum Verkauf an die Mannesmann-Tochter Arcor. Ihn selbst kostet das den Job.

Bei RWE folgte für ihn, den Macher, ein Jahr als Frühstücksdirektor. Für RWE saß er nur noch im Aufsichtsrat der damaligen RWE-Beteiligung E-Plus - neben dem Vodafone-Manager Julian Horn-Smith. Nachdem Vodafone in der Übernahme-Schlacht um Mannesmann das mitentscheidende Zugeständnis für den Standort Düsseldorf unterbreitet hatte, rief Julian sofort bei Tom in Köln an.

Geitner ist seither mehr mit Marketing als mit Ingenieurskunst beschäftigt und interessiert sich "mehr als früher" für die Formel 1, weil Vodafone Ferrari sponsert. "Motorsport ist aber überhaupt nicht mein Hobby. Ich bin nicht so ein passiver Sportfreak", sagt er. Segeln und Skifahren sind seit dem Studium in München seine Sportarten.

Die Freizeit reserviert er momentan aber seinen vier - zwei bis zehn Jahre alten - Kindern. "Die sind gerade in dem Alter, in dem sie gerne etwas mit ihren Eltern unternehmen", meint Geitner. Die britische Unternehmenskultur sei da von Vorteil: Gearbeitet wird am Wochenende nicht.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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