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Porträt Erich Klemm: Mächtiger Betriebsratsboss, aber öffentlichkeitsscheu

(dpa-AFX) Stuttgart - Wenn es sein muss, stellt sich Erich Klemm auch auf einen Lastwagen und spricht vor dem Werktor zu 20 000 aufgebrachten Daimlerchrysler-Arbeitern. Aber nur wenn es sein muss - der 49 Jahr alten Gesamtbetriebsratsvorsitzende des größten deutschen Konzerns schätzt eher sachliche Verhandlungen als verbale Kraftmeierei. Darin steht er durchaus in der Tradition der Daimler- Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Mehr noch als diese aber hat Klemm sein Amt als stellvertretender Aufsichtsratschef genutzt, um in den vergangenen turbulenten Jahren dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmerinteressen auch in Zeiten der Globalisierung nicht zu kurz kommen.

(dpa-AFX) Stuttgart - Wenn es sein muss, stellt sich Erich Klemm auch auf einen Lastwagen und spricht vor dem Werktor zu 20 000 aufgebrachten Daimlerchrysler-Arbeitern. Aber nur wenn es sein muss - der 49 Jahr alten Gesamtbetriebsratsvorsitzende des größten deutschen Konzerns schätzt eher sachliche Verhandlungen als verbale Kraftmeierei. Darin steht er durchaus in der Tradition der Daimler - Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Mehr noch als diese aber hat Klemm sein Amt als stellvertretender Aufsichtsratschef genutzt, um in den vergangenen turbulenten Jahren dafür zu sorgen, dass die Arbeitnehmerinteressen auch in Zeiten der Globalisierung nicht zu kurz kommen.

Klemm ist eng mit dem größten Autowerk des Konzerns in Sindelfingen verbunden. Hier begann er 1970 eine Ausbildung zum Maschinenschlosser und wurde ein Jahr später zum Vorsitzenden der Jugendvertretung. Seit 1978 ist er als Betriebsrat freigestellt. Am 10. März 1999 übernahm er vom kranken Karl Feuerstein den wichtigen Posten des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Neben der betrieblichen Interessenvertretung übt Klemm wichtige Funktionen in der IG Metall aus. Wenn es bei den Pilotverhandlungen in Baden-Württemberg klemmt, ziehen sich gemeinhin die beiden Verhandlungsführer von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie Daimlerchrysler-Arbeitsvorstand Günther Fleig und Klemm zurück und holen die Kuh vom Eis.

Klemm hat in seiner Funktion als Sprecher der mächtigen Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat der Daimlerchrysler AG den Expansions-Kurs von Konzernchef Jürgen Schrempp in den wenigen öffentlichen Äußerungen, zu denen er sich hinreißen ließ, stets gestützt. Auch die von den Aktionären heftig kritisierte Vertragsverlängerung von Schrempp bekam frühzeitig sein Plazet. Als der designierte Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard Ende April völlig überraschend seinen Platz räumen musste, soll auch Klemm eine treibende Kraft dahinter gewesen sein. Zu forsch hatte Vorstand Bernhard offenbar eine harte Gangart gegen die Mercedes-Pkw-Sparte angekündigt. Beobachter meinen, dass der Betriebsratschef Klemm den Spagat zwischen Interessenvertretung der Arbeitnehmern und dem Spiel mit der Macht im Aufsichtsrat glänzend beherrscht./hd/

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