Porträt
Erwin Teufel - Kein Mann für große Medienauftritte

rtr STUTTGART. Die Bezeichnungen wortgewandt oder mitreißend werden eher selten im Zusammenhang mit seinem Namen genannt: Bodenständigkeit, Heimatverbundenheit und Fleiß sind die Attribute, die dem seit über zehn Jahren amtierenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) zugeschrieben werden. Während andere Politiker sich gerne mit Medienauftritten ins Rampenlicht stellen, ist dies Teufels Sache nicht. Seinen Anspruch auf eine dritte Amtsperiode nach der Landtagswahl am 25. März erhebt der 61-Jährige vor allem durch einen Verweis auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfolgsbilanz des von ihm regierten Bundeslandes. Der fest im Schwabenland mit seinen konservativen und christlichen Traditionen verwurzelte Katholik wird gemeinhin als zuverlässig, fleißig und integer beschrieben. Mit diesen Eigenschaften arbeitete sich der Bauernsohn aus Rottweil durch die landespolitischen Instanzen nach oben.

Bereits mit 25 Jahren wurde der gelernte Verwaltungsfachmann in seinem Wohnort Spaichingen zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt. 1972, als er bereits Staatssekretär im baden-württembergischen Innenministerium war, errang er ein Landtagsmandat. Als sein Vorgänger Lothar Späth im Jahr 1991 über die "Traumschiffaffäre" um von der Industrie finanzierte Reisen stolperte, wurde der damalige Fraktionsvorsitzende während der laufenden Amtsperiode auf den Chefsessel gehoben.

In seiner bisherigen Amtszeit konzentrierte sich Teufel vor allem auf den Strukturwandel der Mitte der 90er-Jahre stark angeschlagenen Wirtschaft im Südwesten. Neben seinem strikten Sparkurs sorgte er vor allem durch die von ihm vorangetriebenen öffentlichen Fusionen in der Energiewirtschaft, dem Rundfunk und der Bankenlandschaft für Aufmerksamkeit. Bundespolitisch profilierte sich Teufel bisher nur vereinzelt wie durch seine gemeinsam mit Hessen und Bayern eingereichte Verfassungsklage gegen den Länderfinanzausgleich.

Zwiespältiges Verhältnis zu den Medien

Zu den Medien pflegt der Ministerpräsident, der nach eigenem Bekunden ursprünglich Sportreporter werden wollte, ein zwiespältiges Verhältnis: Während Teufels SPD-Herausfordererin Ute Vogt im Landtagswahlkampf auf Medienwirksamkeit setzt, wird der Landesvater von Beobachtern und auch parteiintern häufig als zu bieder und altmodisch kritisiert. Teufel ist sich selbst darüber im Klaren, kein Mensch zu sein, "der auf Schlagworte setzt". Diese Einsicht verbindet er mit einem Lamento über den zunehmenden "Häppchen-Journalismus", der eine faktenorientierte Argumentation erschwere. Mit Fakten geizt Teufel wahrlich nicht: Seine Vorliebe für Statistiken und Ländervergleiche reicht so weit, dass er in seinen Vorträgen von der im Bundesschnitt höchsten Anzahl der Fraunhofer-Institute bis hin zu der Prozentzahl der baden-württembergischen Gewinner im Wettbewerb "Jugend musiziert" nichts auslässt.

Nur selten, wenn es ihm zur Durchsetzungsfähigkeit und mithin zum Machterhalt notwendig erscheint, kann der als bedächtig und zurückhaltend geltende Landesvater aufbrausend und temperamentvoll werden. So sei Teufel vor seinen Landesministern einmal "der Kragen geplatzt", als jeder im Kabinett mehr über Europapolitik gewusst habe als sein Europa-Minister, wird in Parteikreisen kolportiert. Auch nachdem die Bundes-CDU unlängst mit anhaltenden Personalquerelen einen Wahlerfolg in Baden-Württemberg zu erschweren drohte, sorgte der ehemalige stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende mit seinem Donnerwetter gegen den "orkanartigen Gegenwind" aus der Bundespolitik vorübergehend für Ruhe.

Im eigenen Landesverband glänzt der seit neun Jahren an der Spitze der Südwest-Christdemokraten stehende Teufel bei Wahlen zum Spitzenkandidat und zum Landesvorsitzenden stets mit einer Zustimmung von über 90 %. Trotzdem weht dem intern als "beratungsresistent" bezeichneten Ministerpräsidenten ab und zu eisiger Wind entgegen. Insider sprechen von innerparteilichen Kritikern, die vorwiegend aus der vom "ewigen Kronprinzen" Günther Oettinger angeführten Landtagsfraktion stammen. So musste Teufel zu Beginn seiner zweiten Legislaturperiode die Schmach hinnehmen, wegen fehlender Stimmen aus den eigenen Reihen als erster Ministerpräsident überhaupt erst im zweiten Wahlgang gewählt zu werden.

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