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Porträt: Fonds Select Systematic

In den vergangenen Monaten hat wohl kaum jemand derart vehement für das Anlage-Instrument Dachfonds gestritten wie Ulrich Harmssen.

Und das, obwohl der Geschäftsführer des Maklerpools Fonds Select Worpswede den meisten der in Deutschland angebotenen Dachfonds "verheerende Ergebnisse" bescheinigt, ihren Managern "mangelnde Professionalität" sowie einen "Hang zum Easy living" vorhält.

"Es reicht nicht aus, kurzfristige Rankings zu lesen und dann die Top-Performer des letzten Jahres zu kaufen", kritisiert Harmssen den seiner Meinung nach häufigsten Fehler. Den noch immer weit verbreiteten Ansatz, ausschließlich Zielfonds einer einzigen Gesellschaft ins Portfolio zu nehmen, vergleicht er zudem mit der absurden Idee, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nur mit Spielern des FC St. Pauli zu besetzen.

Sprüche wie diese machen den gebürtigen Bremer, der vor den Toren der Hansestadt im Künstlerdorf Worpswede lebt, in vielen Medien zum gern gesehenen Gesprächspartner. Doch Harmssen kritisiert nicht nur: Mit dem von ihm betreuten, über den Luxemburg-Ableger der Münchener Privatbank Merck Finck platzierten Fonds Select Systematic will er beweisen, dass Dachfonds allen Vorurteilen zum Trotz eine exzellente und zugleich kostengünstige Vermögensverwaltung bieten können. Sein Ansatz: antizyklisches Investment, gepaart mit computergestützter Marktanalyse und einer ebenso unorthodoxen wie spartanischen, meist nur aus sieben bis zehn Angeboten bestehenden Fonds-Auswahl. Das Konzept scheint aufzugehen: Mit einem Plus von 1,73 % belegt der Fonds Select Systematic im jüngsten Zwölf-Monats-Vergleich unter 121 weltweit anlegenden Aktien-Dachfonds Rang zwei, im laufenden Jahr bei einem Zuwachs von 4,55 % Rang drei.

Die Idee, das in den neunziger Jahren als Investment-Berater erworbene Know-how mit einem eigenen Dachfonds umzusetzen, war eher vom Zufall geprägt - ähnlich wie sein Einstieg in die Branche. Denn nach dem Studium (Mathematik, Astrophysik und Musikwissenschaft) machte Ulrich Harmssen zunächst als Film-Komponist Karriere. So schrieb er unter anderem die Titelmelodie der erfolgreichen ZDF-Kinderserie "Neues aus Uhlenbusch" und die Musik zu diversen "Tatort"-Folgen. Doch nach der Wende sah er in diesem Bereich keine Perspektiven mehr ("hervorragend ausgebildete Musiker aus dem ehemaligen Ostblock arbeiteten für ein Zehntel der zuvor üblichen Gagen") und machte sich kurzerhand mit einem Fonds-Shop selbständig. Parallel dazu studierte er an der Fern Hagen-Universität Betriebswirtschaftslehre und schrieb an einem Computer-Programm für seinen antizyklischen Investment-Ansatz, auf das schließlich Merck Finck aufmerksam wurde und das bis heute als Grundlage für die Aus- wahl der einzelnen Zielfonds dient.

Das Thema Osteuropa spielt für Harmssen auch jetzt wieder eine wichtige Rolle: Geht doch ein Großteil der in den vergangenen zwölf Monaten erzielten Performance auf die Beteiligung am von Jürgen Kirsch gemanagten Griffin Eastern Europe und am Vontobel Eastern European Bond zurück. Mit diesen lange vor dem aktuellen Russland-Hype aufgebauten Positionen kompensierte er jene Verluste, die in der ersten Jahreshälfte 2001 durch den Irrglauben an eine rasche Erholung der Technologie-Werte entstanden: "Eine Bullenfalle, aus der ich gelernt habe."

Während Harmssen den Vontobel-Fonds bis auf weiteres halten will, sind die Tage des Griffin Eastern Europe im Fonds Select Systematic gezählt: "Am russischen Aktienmarkt baut sich eine Blase auf, die früher oder später platzen muss." Deshalb erwägt er einen Tausch in den Pictet Eastern Europe, dessen Manager Jury Ostrowsky an der Moskauer Börse deutlich zurückhaltender agiere. Ein weiterer, Ende April vollzogener Tausch: Der Wechsel vom sehr China-lastigen Carlson Asian Small Cap in den breiter gestreuten Pictet Asian Equities. An den Fonds der Schweizer Privatbank schätzt Harmssen vor allem die zeitnahe Informationspolitik: "Wenn es sein muss, bekomme ich sämtliche Bestände auch schon mal taggleich."

Obwohl Harmssen sich auf Nachfrage als Fan von Fidelity-As Anthony Bolton outet, spielen Personen für ihn bei der Fondsauswahl eine eher untergeordnete Rolle: "Ich investiere in Strategien, nicht in Manager." Stehe ein Markt anhand seiner täglichen quantitativen Analysen vor einem möglichen Turn-around, suche er zunächst nach fundamentalen Begründungen für die Trendwende und anschließend nach Fonds, die den betreffenden Markt in der Vergangenheit sowohl in guten als auch in schlechten Phasen outperformt haben: "Erst dann werden die Kontakte zum Management geknüpft."

Mit Osteuropa, Asien und streckenweise auch Edelmetallen lag Harmssen in den vergangenen Monaten goldrichtig. Derzeit tut er sich allerdings schwer, neue Trends zu identifizieren: "Schwellenländer bleiben sicher noch eine Weile interessant. Dasselbe gilt mittelfristig auch für Biotech-Fonds. Aber dort verzichte ich angesichts der nach wie vor schlechten Stimmung lieber auf ein paar Prozentpunkte, als dass ich mich zu früh einkaufe."

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