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Porträt: Friedel Neuber war der mächtigste Staatsbanker Deutschlands

Unter den Topmanagern des deutschen Geldadels war Friedel Neuber in einem Punkt unschlagbar: So lange wie der frühere Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf stand kein Banker an der Spitze eines deutschen Kreditinstituts. Neuber war ein Quereinsteiger.

dpa-afx DÜSSELDORF. Unter den Topmanagern des deutschen Geldadels war Friedel Neuber in einem Punkt unschlagbar: So lange wie der frühere Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf stand kein Banker an der Spitze eines deutschen Kreditinstituts. Neuber war ein Quereinsteiger. Ohne Abitur und Studium schaffte das SPD-Mitglied und der Sohn eines Eisenbahners aus Rheinhausen und den Sprung ganz nach oben. Am Samstag starb Neuber plötzlich und unerwartet im Anschluss an eine ärztliche Routineuntersuchung an Herzversagen.

Seinen beruflichen Aufstieg in die Chefetage der Düsseldorfer Staatsbank, die im August 2002 in die öffentlich-rechtliche Landesbank NRW und private WestLB AG aufgespalten wurde, verdankte "der rote Friedel" nicht nur seinem Ehrgeiz und Fleiß. Auch seine zahlreichen politischen Verbindungen und nicht zuletzt sein Förderer Johannes Rau (SPD), trugen dazu bei: "Friedel, Du machst das schon", soll der damalige NRW-Ministerpräsident seinem Parteifreund gesagt haben, als dieser 1981 mit 46 Jahren Chef WestLB wurde.

Neuber verblüffte seine Kritiker, die ihn wegen mangelnder Bankpraxis für eine Fehlbesetzung hielten: In zwei Jahrzehnten trimmte er den Bankkonzern auf Expansion. Mit einer Bilanzsumme von 432 Mrd. Euro - im Jahr seines Ausscheidens 2001 - und einem weit verzweigten Netz von ausländischen Niederlassungen gehörte die "europäische Großkundenbank" in der Branche zu einer Top-Adresse.

Neuber Mischte MIT

In der Wirtschaft Nordrhein-Westfalens lief ohne den mächtigen WestLB-Chef nichts. Von der Fusion der Mischkonzerne Thyssen und Krupp , über Metro , Gildemeister , Babcock Borsig bis zur LTU - Neuber mischte mit und praktizierte Industriepolitik. Seine ehrgeizigen Tourismuspläne, über die frühere Preussag (heute Tui) einen Tourismuskonzern zu schmieden, scheiterten 1997 nur am Widerstand der Kartellbehörde. Neuber stand an der Spitze zahlreicher Aufsichtsräte unter anderem bei Tui, RWE und Babcock Borsig.

1999 geriet der quirlige Banker, der wegen seines Einflusses gern als "Macht am Rhein" bezeichnet wurde und als Scharnier zwischen rot- grüner Landesregierung und Wirtschaft galt, im Zusammenhang der Düsseldorfer Flugaffäre in die Schlagzeilen. Politiker sollen auf Kosten der WestLB den Flugdienst der Bank genutzt haben. Gleichzeitig ermittelten Staatsanwälte gegen Neuber und andere Vorstände, weil die WestLB Kunden systematisch beim Geldtransfer nach Luxemburg unterstützt haben soll. Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße eingestellt, ein Vorstandsmitglied nahm den Hut.

Radikalen Umbau Vorbereitet

Noch vor seinem Ausscheiden im August 2001 ebnete Neuber den Weg für einen radikalen Umbau der WestLB. Die Bank wurde in eine öffentlich-rechtliche Muttergesellschaft, der Landesbank NRW und der privaten Tochter WestLB AG aufgespalten. Nach jahrelangem Beihilfestreit mit der Brüsseler EU-Kommission wurde Neuber die Aufspaltung gewissermaßen aufgezwungen.

Seine berufliche Laufbahn begann der passionierte Jägers als Industriekaufmann bei Krupp. Gleichzeitig bastelte er an einer SPD - Karriere. Vom Vorsitzenden der SPD-Fraktion in Rheinhausen und Juso- Chef kam er in den Düsseldorfer Landtag und war mit 26 Jahren der bislang jüngste Parlamentarier. Dort machte er sich als Finanz- und Haushaltsexperte einen Namen.

In der Sparkassenorganisation fasste Neuber als Verwaltungsratschef der örtlichen Sparkasse in Rheinhausen Fuß. 1970 wurde er mit 34 Jahren Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes. Nur zwölf Jahre wurde er Vorstandsvorsitzender der WestLB. Neuber hinterlässt eine Ehefrau und zwei Kinder.

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