Porträt
George Harrison: Immer nur der dritte Beatle

Das Ende der Beatles 1970 war für George Harrison eine Erleichterung: Er war es leid, immer nur "der dritte Beatle" zu sein, überragt von John Lennon und Paul McCartney, deren Hits die Musikwelt veränderten. Er war ein stiller Typ: Selbst Schlagzeuger Ringo Starr - musikalisch von den vier Pilzköpfen zweifellos am geringsten begabt - machte als Beatle mehr von sich reden.

dpa LONDON. Dabei konnte Harrison schon als Beatle - und auch danach - auf ein ansehnliches musikalisches Werk stolz sein. In jeder anderen Gruppe, in der sich Talent nicht gerade so ballte wie bei den Beatles, hätte es viel glänzender gestrahlt. 22 Lieder hat Harrison als Beatle geschrieben. Darunter so bekannte Stücke wie "If I Needed Someone", "Taxman" oder "Here Comes The Sun".

Seine erste Gitarre kaufte der Sohn eines Busfahrers 1956, als er 13 war. Mit 15 nahm ihn sein Schulkamerad Paul McCartney zu einer Band mit, die John Lennon gegründet hatte. Das Pop-Quartett hieß "The Quarrymen". Aus ihr sollten sich die Beatles entwickeln. Harrison wurde in den 60er Jahren stärker als die anderen Beatles von indischer Philosophie und Spiritualität beeinflusst. 1965 spielte er zu Lennons "Norwegian Wood" erstmals auf der indischen Sitar. Und Harrison war es auch, der die Beatles davon überzeugte, 1968 in Indien transzendentale Meditation und indische Musik zu studieren.

Mit Ringo Starr spielte Harrison auch nach dem Ende der Beatles immer mal wieder zusammen, nie jedoch mit Paul McCartney. Schon 1969, also vor dem offiziellen Ende der Gruppe, hatte er verkündet, er sei kein Beatle mehr. Zu dieser Zeit ging es ihm auch ansonsten schlecht: Seine Ehe mit Pattie Boyd zerbrach - sie zog zu George Harrisons bestem Freund Eric Clapton, der sein großes Lied "Layla" für Pattie geschrieben haben soll. Das hat den späteren Beziehungen zu Clapton nicht geschadet.

George Harrison hatte mit "My Sweet Lord" seinen ersten Superhit nach der Beatles-Zeit - überschattet jedoch durch ein US- Gerichtsurteil, das darin ein Plagiat von "He's So Fine" von den Chiffons sah. Die Richter verurteilten ihn zur Zurückzahlung der Tantiemen. Sein wichtigster künstlerischer Erfolg danach war das Album "Cloud Nine" von 1987, dessen Titel "Got My Mind Set On You" Nummer eins Hit in den USA und in Großbritannien wurde.

Der scheue Harrison zog sich seit der Ermordung Lennons in New York im Dezember 1980 völlig in sein gigantisches, schlossartiges Haus bei London zurück. Seine eigene Angst vor einem Mordanschlag wuchs - zumal er viele Drohungen bekommen hatte. Harrison ließ den Landsitz mit elektronischen Anlagen wie eine Festung sichern. In der Nachbarschaft zahlreicher Popstars lebte er dort mit seiner mexikanischen Frau, Olivia Arias, die er 1978 geheiratet hatte. Der gemeinsame Sohn, Dahni, war fünf Wochen vor der Hochzeit geboren worden.

Am 30. Dezember 1999 wurden die schlimmsten Befürchtungen Harrisons wahr. Der geistesgestörte Brite Michael Abram drang nachts in die Villa ein und verletzte Harrison mit Messerstichen schwer. Seine Frau rettete ihm das Leben. Sie schlug Abram mit einem Schürhaken und dann mit einer Lampe auf den Kopf, als Harrison blutend am Boden lag. Abram, der in den Beatles "Hexen" sah und glaubte, im "Auftrag Gottes" zu handeln, wurde vor Gericht für unschuldig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Dann kam der nächste Schlag. Im Juli 2001 wurde bekannt, dass Harrison in der Schweiz wegen eines Hirntumors behandelt wurde. Drei Monate zuvor war bei einer Vorsorge-Untersuchung in den USA ein Tumor in der Lunge entdeckt worden. Die Leidensgeschichte Harrisons hatte 1997 mit Kehlkopfkrebs begonnen, den er auf sein jahrelanges Kettenrauchen zurückführte. "Angewidert" zeigte sich Harrison über Berichte von seinem angeblich bevorstehenden Tod. "Ich hatte ein wenig Kehlkopfkrebs. Es wurde mir ein Teil der Lunge entfernt. Und dann wurde ich fast ermordet. Aber ich fühle mich stärker als je", sagte er noch im Juli.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%