Porträt
Goldfonds unter der Lupe

Zugegeben, jede andere Antwort wäre überraschend gewesen. Wer einen auf Goldaktien spezialisierten Fondsmanager wie Joe Foster fragt, ob der Höhenflug des gelben Metalls nach den jüngsten Rückschlägen schon wieder vorbei ist, kann nicht im Ernst mit einer Bestätigung dieser Einschätzung rechnen.

"Am Goldmarkt hat eine grundlegende Wende eingesetzt, die möglicherweise die ganze Dekade bestimmt", gibt sich Foster denn auch von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends überzeugt.

Neue Argumente bringt der Berater des AIG Equity Fund Gold zwar nicht ins Spiel. Doch die bekannten, auch von Foster strapazierten Gründe werden dadurch nicht weniger gewichtig: "Die geplatzte Blase an der Nasdaq war ein historisches Ereignis, vergleichbar vielleicht nur mit den Ereignissen in Japan 1990 oder dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929. Und danach ändert sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld fast immer radikal." Während in den von Euphorie geprägten neunziger Jahren alles gegen das Anlagemedium Gold gelaufen sei, stünden derzeit sämtliche Signale auf Grün. Dabei nennt der AIG-Berater neben der nach dem Enron-Skandal zunehmenden Skepsis gegenüber Aktien unter anderem die noch längst nicht gebannte Terror- und Kriegsgefahr, die niedrigen Zinsen und den sinkenden Dollar, der in der Vergangenheit sehr häufig von steigenden Goldnotierungen begleitet war. Eine sinkende Bereitschaft der Minengesellschaften, ihre künftige Produktion abzusichern, gehört dabei genauso zum Positiv-Szenario wie der allmählich einsetzende Umdenkungsprozess bei vielen Hedge-Fonds-Managern: "Die haben in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre mit Wetten gegen den Goldpreis viel Geld verdient. Von dieser Seite dürfte auf absehbare Zeit kein Verkaufsdruck mehr kommen, ganz im Gegenteil."

Anleger, die diesen Argumenten zugänglich sind, muss Joe Foster also nicht erst überzeugen, dass ihrem Portfolio eine fünf- oder zehnprozentige Beimischung von Gold-Aktien gut zu Gesicht stünde. Schon eher davon, dass sein Fonds dafür genau die richtige Wahl ist. Denn trotz des neu erwachten Interesses am Thema stieg das Volumen des AIG Equity Fund Gold seit Jahresbeginn gerade einmal von vier auf zwölf Millionen Dollar, und viele potentielle Käufer sind auf der Anbieter-Seite zwar mit Namen wie Mercury, PEH oder DWS vertraut, aber eben nicht mit der AIG Privat Bank in Zürich. Obwohl dahinter mit der American International Group die größte Versicherungsgesellschaft der USA steht, die das bis 1996 als Ueberseebank geführte Institut bereits 1965 gründete. Der Fonds selbst existiert seit Juni 1992 und konnte in den zehn Jahren seines Bestehens fast immer überdurchschnittliche Ergebnisse vorweisen (siehe "Konkurrenz-Vergleich"). Woran die Tatsache, dass AIG ihn von Anfang an von der New Yorker Gesellschaft Van Eck Global verwalten ließ, einen wichtigen Anteil haben dürfte. Deren Gründer John van Eck nämlich legte 1968 den ersten Goldminen-Fonds der USA auf. Eine Spezialisierung, die schnell zum Markenzeichen wurde: Heute sind rund ein Drittel der von Van Eck verwalteten Mittel in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar in diesem Segment investiert.

Der studierte Geologe Joe Foster betreut den AIG Equity Fund Gold zwar erst seit Anfang 2000, bringt aber eine mehr als 20jährige Erfahrung aus der Minen-Industrie mit. Die deutliche Outperformance des repräsentativen FT-Goldmines sowohl in diesem Jahr als auch in den beiden Vorjahren erklärt Foster mit der frühen Konzentration auf Gesellschaften, die in der Vergangenheit wie Gold Fields und Harmony aus Prinzip auf Terminverkäufe verzichtet haben. Zudem setzte er angesichts des sich immer schneller drehenden Fusions-Karussells in der Branche bevorzugt auf Übernahme-Kandidaten, die anschließend fast regelmäßig mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen glänzten. Der bislang letzte Coup in diesem Spiel gelang ihm in der vergangenen Woche, als die Aktie von TVX Gold nach dem Zusammenschluss mit Kinross um 47 Prozent in die Höhe schoss.

Rund 14 Prozent seines 40 Werte umfassenden Portfolios hat der Van-Eck-Manager derzeit in Nebenwerten investiert, am höchsten gewichtet sind davon mit einem Anteil von 1,3 beziehungsweise 1,0 Prozent die beiden kanadischen Produzenten Miramar Mining und Minefinders. Joe Foster: "Einige Minen, die bei einem Goldpreis von unter 300 Dollar pro Unze Probleme hatten, sind auf dem aktuellen Niveau wieder interessant geworden." Bleibt die Frage, wie lange die aktuelle Konsolidierung anhält und ob Neueinsteiger nicht noch günstigere Preise abwarten sollten. In diesem Punkt möchte sich Foster nicht so genau festlegen lassen - auch wenn er davon ausgeht, dass der Goldpreis bereits in diesem Sommer einen neuen Anlauf unternimmt, die Marke von 330 Dollar zu knacken. Doch selbst wenn dieser Versuch ein zweites Mal misslingt, auf dem aktuellen Niveau hält er das Risiko für vergleichsweise gering: "Unter 300 Dollar wird der Preis in absehbarer Zeit nicht zurückfallen."

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