Porträt
Katherina Reiche: Power-Frau mit Familienkompetenz

Wer mit Katherina Reiche verabredet ist, muss sich auf ein Treffen zu dritt einrichten. Nicht selten hat die brandenburgische CDU-Bundestagsabgeordnete ihre knapp dreijährige Tochter Maria Katherina dabei.

dpa POTSDAM. Im August bekommt die Politikerin ihr zweites Kind. Dies hindert die selbstbewusste 28-Jährige jedoch nicht, im Wahlkampfteam von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) mitzuarbeiten - als Expertin für Jugend, Frauen und Familie. «Ich konzentriere mich bis zur Geburt auf wichtige Termine», sagt Reiche. Und schon in der heißen Phase des Wahlkampfs im September sei sie wieder voll da.

Seit 1998 im Bundestag hat sich Reiche in der CDU/CSU - Bundestagsfraktion als deren jüngste Abgeordnete schnell behauptet. Einige Parteifreunde sahen Reiche zunächst von ihrem Lebenspartner und Brandenburger CDU-Landtagsabgeordneten Sven Petke protegiert, den sie noch in diesem Jahr heiraten will. «Das hat mich getroffen. Aber ich konnte bisher alle Kritiker widerlegen», sagt Reiche.

Belastbar und präsent

Nach etwa einem Jahr wurde sie zur Beauftragten für die Beziehungen zu Polen gewählt, wenig später auch zur Beauftragten für Humangenetik. Dieser Posten trug ihr bald jede Menge Kritik ein, weil sie in der Genpolitik eine liberale Position einnahm. In der Debatte um die Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland hatte sie gemeinsam mit dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Peter Hintze innerhalb der Union am stärksten für weitestgehende Forschungsfreiheit plädiert.

In ihrem Landesverband gilt Reiche als äußerst belastbare und ständig präsente Powerfrau, die Karriere und Familie gut unter einen Hut bringt. Allerdings wundert sich mancher in Potsdam über die Berufung, denn Reiche sei weder eine typische Ostfrau noch stehe sie für ein grundkonservatives Familienbild. Dieser Umstand und die Tatsache, dass Reiche als unverheiratete Mutter in Stoibers Team auch für die Familienpolitik zuständig sein soll, stieß im konservativen Unionsflügel auf starke Vorbehalte. Es gab zuletzt aber auch Unterstützung aus ihrer Partei, etwa von Ex-Generalsekretär Heiner Geißler und vom nordrhein-westfälischen Landeschef Jürgen Rüttgers.

Mit ihrer Vita muss sich Reiche nicht verstecken. Die Diplom- Chemikerin studierte in Potsdam, in den USA und in Finnland. Als Gesellschafterin im elterlichen Familienbetrieb - einem 1953 enteigneten und nach der Wende reprivatisierten Kunststoffunternehmen mit zur Zeit 70 Mitarbeitern - ist sie froh, eine «Existenz zu haben, die freimacht». Erst vor wenigen Monaten wurde die Politikerin mit bestem Ergebnis aller Kandidaten auf Platz zwei der Brandenburger CDU-Bundestagsliste gesetzt. Schon wurde sie auch als künftige Ministerin in einem Kabinett Stoiber gehandelt. «Diese Frage stellt sich heute nicht. Zunächst müssen wir die Wahlen gewinnen», entgegnet sie.

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