Porträt:
Kurt Beck - Ein Fußballnarr mit Bodenhaftung

Reuters FRANKFURT. Seine private Dauerkarte für den 1. FC Kaiserslautern hat Kurt Beck behalten, auch als er von Amts wegen auf die Ehrentribüne am Betzenberg berufen wurde. Und noch immer vermisst es der bekennende Fußballfan bei manchen Spielen der roten Teufel, nicht im Getümmel auf den Rängen zu stecken.

"Nah bei den Leuten" will der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz sein, das ist ihm wichtig. Besonders Besucher aus Berlin geraten regelmäßig ins Staunen, wenn sie hören, dass alle zwei Wochen am Sonntag einige Stunden lang jedermann zu Becks nach Hause ins südpfälzische Steinfeld kommen kann, um dem sozialdemokratischen Landesvater seine Nöte mit der Verwaltung vorzutragen. Stichhaltige Beschwerden landen tags darauf auf dem Schreibtisch des zuständigen Beamten. Seine Verbindung zur Basis kommt nicht von ungefähr, die politische Karriere fiel ihm nicht in den Schoß. 1949 in der Südpfalz geboren, machte der Maurer-Sohn eine Ausbildung als Elektromechaniker, arbeitete später bei der Bundeswehr. Nebenher schaffte er auf der Abendschule den Realschulabschluss und stieg Anfang der 70er-Jahre, als die CDU das Land noch mit absoluter Mehrheit regierte, in die Politik ein.

Die Wende kam 1991 mit dem Wahlsieg von Rudolf Scharping (SPD), den Beck 1994 im Amt beerben sollte: Unter ihm wurde Beck Fraktionschef und tat sich bei Vermittlungen mit dem Koalitionspartner FDP hervor. Besonders durch dieses Vermittlergeschick erntete Beck später auch bundespolitisch Anerkennung. So hatte Rheinland-Pfalz entscheidenden Anteil an der Verabschiedung der Steuerreform im Bundesrat, und auch bei anderen Streitthemen gilt die sozial-liberale Koalition als Brückenbauer für die Bundesregierung. Darüber hinausgehende Ambitionen in Berlin werden dem bodenständigen Beck im Gegensatz zu manch anderem Länder-Regierungschef nicht nachgesagt. Neben seiner eher konservativen Grundeinstellung sei dies ein Grund für seine guten Beziehungen zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), heißt es in Parteikreisen.

Wie Schröder bundesweit, so erfreut sich Beck im Land der Rüben und Reben glänzender Umfragewerte: Seine Popularität ist ungebrochen, selbst viele CDU-Wähler halten weit mehr vom Bauchmenschen Beck als vom CDU-Spitzenkandidaten und Kopfmenschen Christoph Böhr. Mit dem Weinliebhaber Beck lasse es sich immerhin "babbeln", sagen Bürger auf Parteiveranstaltungen, während der studierte Philosoph Böhr mit seinen teils mehrstündigen Reden eher trocken und abweisend ankommt. Und Beck hat das Image eines "aufrichtigen Kerls". Böhr indes hängt noch immer nach, lange Zeit nicht viel mehr als das "Sprachrohr" des Altkanzlers und Pfälzers Helmut Kohl gewesen zu sein. Bei den Sympathiewerten rutschte Böhr sogar hinter das traditionelle Schlusslicht der Skala, die Grünen-Spitzenkandidatin.

Gerade im eher konservativen, in vielen Gegenden noch sehr bäuerlich geprägten Rheinland-Pfalz jagt der Katholik Beck der CDU auch dadurch Punkte ab, dass er nicht als Anhänger extrem linker Ideologien verdächtig ist. Ein Beispiel dafür war die Forderung nach zwei Null-Runden im Sommer 1999, die ihm scharfe Kritik der Gewerkschaften einbrachte. Und manchmal verbindet der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder einfach Beruf und Hobby. Dann setzt der Freund von Fußball-Idol Fritz Walter wie vor einigen Tagen alle Hebel in Bewegung, um die Übertragung der Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 bei den öffentlich-rechtlichen Sendern doch noch zu Stande zu bringen.

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