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Porträt: Lea Rabin kämpfte für den Frieden

Die Witwe von Jizchak Rabin wollte das Lebenswert ihres Mannes vollenden.

afp JERUSALEM. Der verstorbene König Hussein von Jordanien nannte sie einmal "meine Schwester", Palästinenserpräsident Jassir Arafat umarmte sie "warmherzig und offen", Ehud Barak würdigte sie am Sonntag als "mutige und starke Frau", die dem israelischen Volk fehlen werde. Auch US-Präsident Bill Clinton behandelte sie mit zärtlichem Respekt. Lea Rabin hatte 1995 das Vermächtnis ihres Mannes angetreten, nachdem ihn die Schüsse eines jüdischen Extremisten aus dem Leben rissen. Mit dem israelischen Ministerpräsidenten sollte damals auch der Friedensprozess im Nahen Osten sterben - und so kämpfte seine Witwe fortan an seiner Stelle für die Aussöhnung mit den Palästinensern. "Jizchak gibt mir die Kraft", sagte sie einmal auf einem ihrer zahllosen Termine. Am Sonntag starb Lea Rabin im Alter von 72 Jahren an Lungenkrebs.

Hunderttausende von Israeli hatten Lea Rabin für ihren Kampf in den vergangenen Jahren ihre Solidarität ausgesprochen. Für Staatsgäste gehörte ein Besuch in ihrer Wohnung in Tel Aviv zum Pflichtprogramm. 1997 unterzeichnete die Witwe des Regierungschefs ein symbolisches Papier mit Arafat und äußerte die Hoffnung, es möge eines Tages zum Frieden führen. Im Juni 1999 war sie sogar als UN-Botschafterin für Israel im Gespräch. Sie habe einen guten Ruf in der internationalen Szene, sei gewandt und könne sich in mehreren Sprachen ausdrücken, schrieb damals die israelische Tageszeitung "Maariv".

Nach der Ermordung ihres Mannes vor fünf Jahren nahm Lea Rabin weder auf die im Judentum übliche Trauer von 30 Tagen Rücksicht, noch auf die Gegner ihres Mannes. Umgeben von ihren Kindern, Sohn Juval und Tochter Dalia Filosof, griff sie schon bei den Trauerfeiern den rechtsgerichteten Ex-Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den Sohn des verstorbenen Ministerpräsidenten Menachem Begin an. Beiden warf sie vor, mit der Stärkung des rechtsgerichteten Likud-Blocks die Stimmung in Israel gegen den Friedensprozess gewendet zu haben. Anstatt Netanjahu hätte sie lieber Arafat die Hand gegeben, sagte sie nach der Beisetzung.

Die "Dame aus Stein", wie Rabin von ihren Landsleuten schon mal genannt wurde, schonte auch die "schweigende Mehrheit" nicht. Sie warf ihr vor, nicht reagiert zu haben, als ihr Mann von Rechtspolitikern wie Netanjahu als "Verräter" und "Meuchelmörder" beschimpft wurde, bis ein Extremist die geistigen Brandstifter beim Wort nahm. Auch bei den jüdisch-religiösen Parteien sparte sie nicht mit Kritik, vor allem als sich der Parteifreund ihres Mannes, Schimon Peres, den religiösen Hardlinern annäherte.

Rabin wurde 1928 in Deutschland geboren, 1933 emigrierte ihre Familie ins britische Mandatsgebiet Palästina, wo sie später bei der illegalen Kommandotruppe Palmach, dem Vorläufer der israelischen Armee, ihren Mann kennenlernte. Als er erschossen wurde, hatte sie 47 Jahre an seiner Seite verbracht. Jizchak Rabin hatte während der gesamten Ehe stets größte Loyalität mit seiner Frau gezeigt, auch als ihn ein Devisenvergehen Leas 1977 zum Rücktritt als Ministerpräsident zwang. 1992 wurde er erneut ins Amt des Regierungschefs gewählt. Der unrühmliche Vorfall und ihre Hang zum Glamour wurden Rabin noch lange vorgehalten.

An der Gedenkfeier für ihren ermordeten Mann in der vergangenen Woche in Tel Aviv konnte Lea Rabin nicht mehr teilnehmen. Auf dem Platz, wo Jizchak den Tod fand, verlas Tochter Dalia jedoch eine Grußadresse ihrer Mutter an die zehntausenden Versammelten. Lea Rabin bedauerte darin, nun habe sie "keine Kraft mehr", für das Erbe ihres Mannes zu kämpfen.

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