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PORTRÄT-Michael Frenzel-Ein lange Zeit unterschätzter Manager

Reuters HANNOVER, 07. MÄR. Michael Frenzel wurde lange Zeit unterschätzt. Auch als Vorstandschef der Preussag AG stand er viele Jahre im Schatten seines Ziehvaters Friedel Neuber dem Chef der mächtigen Westdeutschen Landesbank , die zugleich Hauptaktionär der Preussag ist. Doch mit dem furiosen Umbau der Preussag von einem Mischkonzern mit viel traditioneller Industrie von Stahl bis Kohle zum inzwischen weltgrößten Touristikkonzern hat sich das geändert. Das "Manager-Magazin" kürte den heute 54-Jährigen zum "Manager des Jahres 2000".

Der Sohn eines Schuhmachermeisters aus Leipzig, der in Duisburg aufwuchs, begann seine berufliche Karriere bei der WestLB als Trainee, wurde Bankdirektor und hatte bald das Vertrauen seines mächtigen Chefs Neuber. Der schickte ihn 1988 zur Preussag in den Vorstand, an dessen Spitze er 1994 rückte. Dort leitete der kühl und distanziert wirkende Jurist einen in der deutschen Industriegeschichte beispiellosen Umbau ein.

Die Integration der gekauften Touristiktöchter oder Beteiligungen aus Deutschland (TUI, Hapag-Lloyd), Großbritannien (Thomson Travel) und Frankreich (Nouvelles Frontieres) steht erst noch aus. Wenn Frenzel in dieser Situation den Aufsichtsratsvorsitz bei der Deutschen Bahn AG übernimmt, dann nicht aus Mangel an Arbeit. Frenzel folgt vor allem einer Bitte von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der ihn noch aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident kennt. Zwischen beiden Sozialdemokraten herrscht ein Vertrauensverhältnis.

Das war allerdings nicht immer so. Anfang 1998 kam es zwischen beinahe zum Bruch, als Frenzel die niedersächsische Stahl-Tochter der Preussag an Konkurrenten in Großbritannien oder Österreich verkaufen wollte. Schröder, der damals noch Regierungschef in Hannover war, intervenierte, das Land übernahm die heutige Salzgitter AG.

Mit Frenzel holt Schröder sich einen beharrlichen Arbeiter an die Spitze des Bahn-Aufsichtsrates. Binnen kurzer Zeit hat Frenzelr sich bis in die Details des Touristikgeschäfts vertieft. Denn davon verstand der ehemalige Banker bis vor wenigen Jahren nur wenig. Frenzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

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