Porträt
Oliver Brüstle - ein Forscher zwischen Warten und Wettlauf

Der Bonner Stammzellen-Forscher Oliver Brüstle hat seit mehr als zwei Jahren auf grünes Licht für sein Forschungsprojekt gewartet. Als erster beantragte er im August 2000 bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Fördermittel für den Import embryonaler Stammzellen - und löste damit gemeinsam mit seinem Kollegen Otmar Wiestler eine breite öffentliche Debatte aus. Der 40-jährige Mediziner will menschliche embryonale Stammzellen aus Israel importieren und daran forschen.

HB/dpa BONN. Eineinhalb Jahre später stimmte im vergangenen Januar die DFG für den Antrag. Auf das Geld musste der Wissenschaftler aber warten, bis das Robert-Koch-Institut Berlin dem Projekt grünes Licht gab. Im Verlauf des Jahres nutzte Brüstle unterdessen viele öffentliche Auftritte, um für sein Vorhaben zu werben. Dabei gab er immer wieder zu bedenken, Deutschland könnte bei weiteren Verzögerungen in der internationalen Forschung ins Hintertreffen geraten.

Nach eingehender Prüfung genehmigte das Robert-Koch-Institut Berlin nun den Import dieser Zellen. In Kürze sollen sie im neu etablierten Institut für Rekonstruktive Neurobiologie in Bonn eintreffen.

Der Neuropathologe Brüstle will untersuchen, ob Spenderzellen zu Transplantationszwecken in Gehirn und Rückenmark gewonnen werden können. In Tierversuchen ist es ihm gelungen, eine Rückenmark- Krankheit mit Hilfe von Stammzellen zu behandeln. "Wir haben eine ärztliche Verantwortung, neue Therapien für Krankheiten zu suchen, für die es bisher wenig Heilungschancen gibt", begründete der Familienvater und Katholik sein Vorhaben.

Die Stammzellen sollen vermehrt und gezielt in Zellen des Nervensystems umgewandelt werden. Defekte oder verloren gegangene Zellen könnten durch embryonale Stammzellen ersetzt werden. Der Neuropathologe sprach sich immer wieder für Transparenz und Kontrolle aus. "Forschung mit embryonalen Stammzellen muss streng kontrolliert werden", sagte Brüstle.

Zu den harten Geduldsproben gehörten auch verlockende Angebote, die der aus Schwaben stammende Brüstle aus dem In- und Ausland erhielt. Erst Anfang 2002 band er seine berufliche Zukunft fester an die Universität Bonn. Brüstle, der auch in den USA geforscht hatte, nahm den Ruf auf den neuen Lehrstuhl für Rekonstruktive Neurobiologie an der Bonner Hochschule an, wurde Professor und Institutsdirektor. Der Lehrstuhl war 2001 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Universität Bonn eingerichtet worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%