Porträt
Taliban-Chef Omar setzt auf Durchhalteparolen

Bis zuletzt scheint er auf Durchhalteparolen zu setzen: "Räumt keine Gebiete", befahl das Oberhaupt der Taliban, Mullah Mohammad Omar, seinen Truppen noch, nachdem diese bereits scharenweise zu der Nordallianz übergelaufen waren. Bis zum letzten Atemzug sollten die Taliban die letzte von ihnen gehaltene Bastion Kandahar verteidigen, in der auch Omar vermutet wurde.

Reuters KABUL. Der 1959 geborene Omar scheint sein Schicksal mit dem des moslemischen Extremisten Osama bin Laden verbunden zu haben. Dessen Auslieferung an die USA lehnte Omar stets strikt ab. Neben bin Laden steht der Taliban-Chef ganz oben auf der Fahndungsliste der USA im Afghanistan-Krieg.

Von Omar gibt es nur wenige verschwommene Fotos, nicht zuletzt, weil seine radikal-islamische Bewegung nach der Machtübernahme in Afghanistan 1996 ein Bilderverbot verhängt hatte. Die Fotos, die es gibt, zeigen einen groß gewachsenen Mann mit dunklem Bart und nur einem Auge. Das andere verlor er während des Krieges gegen die Rote Armee, die von 1979 bis 1989 Afghanistan besetzt hatte.

Omar wurde in dem bei Kandahar gelegenen Dorf Nodeh geboren. Seine Eltern waren arme Bauern. Bereits in jungen Jahren musste er eine Führungsrolle übernehmen, oblag es doch ihm, nach dem Tod des Vaters die Familie durchzubringen. Die wenigen Personen, die über eine Begegnung mit Omar berichteten, beschrieben diesen als asketischen Menschen, der sich durch ein Leben in Enthaltsamkeit Gott näher wähnte. So ist es nicht überraschend, dass die Taliban dem Volk dasselbe verordneten: Unterhaltung jeglicher Art, etwa Fernsehen, Sport und Musik waren strikt verboten.

Die Taliban Omars entstanden, als sich nach dem Abzug der Sowjettruppen die siegreichen Gruppen gegenseitig bekämpften. Omar soll Anfang 1994 rund 30 Taliban (Islamschüler) um sich gescharrt haben, nachdem er von der Vergewaltigung zwei junger Frauen durch einen Kommandeur der Mudschahedin gehört habe. Die Gruppe habe das Lager des Kommandeurs angegriffen, die beiden Opfer befreit und die zahlreiche Waffen erbeutet. "Wir kämpfen gegen Moslems, die vom rechten Weg abgekommen sind", sagte Omar in einem seiner wenigen Interviews. "Wie können wir ruhig bleiben, wenn wir Verbrechen an Frauen und den Armen sehen?" Die Rechte der Frauen schränkten die Taliban freilich massiv ein, sechs Jahre nach ihrem Einzug in Kabul sind nach UNO-Angaben Mill. Menschen dringend auf Hilfslieferungen angewiesen.

Seit Jahren hatten die Taliban Bin Laden Gastrecht gewährt und dies auch trotz internationalen Drucks aufrechterhalten. Schon 1998 fielen US-Bomben auf Lager Bin Ladens in Afghanistan, den die USA für die Anschläge auf zwei US-Botschaften in Afrika ebenso verantwortlich machten wie für die Flugzeuganschläge vom 11. September. Ein Grund für die Verbundenheit mit Bin Laden war offenbar die Unterstützung, die dieser den Taliban gewährte. Nach Einschätzung des Taliban-Experten Ahmed Rashid war Omar zuletzt stärker von Bin Laden abhängig als umgekehrt. Schließlich sei es Bin Laden gewesen, der den Taliban finanzielle Mittel und Kämpfer entsandt und Kontakte zu islamistischen Gruppen in aller Welt verschafft habe.

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