Porträt Umberto Bossi
Der Rächer des Nordens ist zurück

Umberto Bossi ist der heimliche Gewinner der Wahlen. Vor allem den Stimmen seiner Regionalpartei Lega Nord hat Silvio Berlusconi den eindeutigen Sieg zu verdanken. Bossi steht dabei für eine Mischung aus Ausländerfeindlichkeit, wirtschaftlicher Unabhängigkeit und keltischem Brauchtum.

MAILAND. Seine Stimme ist kaum mehr als ein Röcheln. Seine Hand klammert sich an das Mikrofon, das ihm die Journalistin vor das halb gelähmte Gesicht hält. "Die Lega ist zurückgekehrt", kommentiert der 66-Jährige das Wahlergebnis, "vor allem ist die bürgerliche Mitte zur Lega zurückgekehrt."

Umberto Bossi ist der heimliche Gewinner der Wahlen. Vor allem den Stimmen seiner Regionalpartei Lega Nord hat Silvio Berlusconi den eindeutigen Sieg zu verdanken. Die Partei hat ihre Stimmen gegenüber den Wahlen von 2006 überraschend auf mehr als acht Prozent verdoppelt. Vor allem in den Städten legte sie zu. Auch in Regionen wie der Emilia Romagna - streng genommen nicht Norditalien - konnte die Lega Stimmen gewinnen.

Umberto Bossi ist der Rächer des Nordens. Anfang der 90-er Jahre hat er seine Partei gegründet, 1992 gelingt ihm der Einzug ins Parlament, zwei Jahre später bildet er mit Berlusconi die Regierung. Seine Bewegung steht für die Interessen des Nordens, der arbeitet und produziert und die Schmarotzer im Süden nicht länger aushalten will. Bossi steht für eine Mischung aus Ausländerfeindlichkeit, wirtschaftlicher Unabhängigkeit und keltischem Brauchtum. Noch heute pilgert er mit seiner Gefolgschaft jährlich an die Quelle des Flusses Po, um dort eine Ampulle mit dem "heiligen Wasser" des "Gottes Po" zu füllen.

In seinen Anfängen predigte er die Abspaltung Padaniens - damit waren alle norditalienischen Regionen gemeint - von Italien. Heute sind seine Forderungen moderater geworden: Er will vor allem den steuerlichen Föderalismus durchsetzen. Das Geld soll dort wieder ausgegeben werden, wo es eingenommen wurde.

Doch Bossi wäre nicht Bossi, wenn er nicht auch in diesen Wahlen kräftige Töne angeschlagen hätte: Er drohte, mit Gewehren auf Rom zu marschieren, sollten die angeblich verwirrenden Stimmzettel nicht neu gedruckt werden. Damit irritierte er nicht nur die Post-Faschisten der Alleanza Nazionale, deren Vorgänger selbst vor mehr als 86 Jahren auf Rom marschiert sind.

Gesundheitlich ist der Kämpfer Bossi noch immer von seinem Hirnschlag gezeichnet, den er vor vier Jahren erlitt und statt in Padanien in der Schweiz kurieren ließ. Der für seine markanten und oft vulgären Reden mit Sprüchen wie "Wir haben ihn härter" bekannte Politiker ist bei den öffentlichen Auftritten nur noch ein Schatten seiner selbst. Silvio Berlusconi hatte daher wenige Tage vor der Wahl erzählt, dass er Bossi angesichts seiner schwachen Gesundheit keinen Ministerposten geben wird.

Bossi regierte prompt: "Mir geht es bestens und ich sehne mich nicht nach einem Ministerposten", ließ er wissen. Nach dem guten Wahlergebnis muss ihm Berlusconi aber auf jeden Fall entgegenkommen. Er ist gewarnt: Bossi hat Berlusconis Regierung 1994 schon einmal zu Fall gebracht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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