Porträt
Ute Vogt - Durchstarterin will nahe beim Bürger sein

rtr STUTTGART. Einen Knick sucht man in ihrer bisherigen Karriere vergeblich: Durchstarterin Ute Vogt hat sich schnell auf den Hierarchieleitern der Traditionspartei SPD hoch gearbeitet und war dabei nicht nur einmal die Jüngste. Aber die Frage nach dem Alter hat sich für die Württemberger und Badener nach anfänglicher Skepsis jedoch immer weniger gestellt. Die 36-Jährige kokettiert im Wahlkampf vielmehr mit der ihr zugeschriebenen "Frische" und will sich als bürgernahe und moderne Kandidatin profilieren. Nicht zuletzt durch ihren vehementen Einsatz für bessere Bildungsbedingungen und eine frauenfreundlichere Politik will Vogt ihre Nähe zum Volk unter Beweis stellen.

Unabhängig von ihrem Alter verkörpert die Spitzenkandidatin Vogt für die Südwest-SPD ein Novum in vielerlei Hinsicht: So kandidiert zum ersten Mal in der Geschichte der Landespartei eine Frau für den höchsten Posten im Land. Außerdem wurde Vogt in der bislang ersten Urwahl einer baden-württembergischen Partei zur Spitzenkandidatin gekürt. Nach ihrem wirtschaftsnahen und dem gemeinen Parteivolk eher entfremdeten Vorgänger Dieter Spöri schwört die ehemalige Jura-Studentin ihre Parteibasis zudem auf einen neuen, unkonventionellen Politikstil ein, der die Menschen stärker einbeziehen soll.

Konventionen betrachtete die katholische Kurpfälzerin schon in ihrer Jugend mit Skepsis: Ob als erster weiblicher Ministrant oder als Mofa-Fahrerin in Lederkleidung in ihrem Geburtsort Heidelberg. Mit 24 Jahren startete sie ihre politische Karriere als Gemeinderätin in Wiesloch. Nach dem Jura-Studium arbeitete sie an ihrem jetzigen Wohnort Pforzheim als Rechtsanwältin. Von dort wagte sie auch 1994 als Bundestagskandidatin den Schritt in die Bundespolitik, vier Jahre später errang sie als erstes SPD-Mitglied ein Direktmandat in der CDU-Hochburg. Im Mai 2000 übernahm sie den Vorsitz des Bundestags-Innenausschusses.

Integrative Kraft

In der Landes-SPD bewies sich Vogt bereits seit ihrer Wahl zur Vorsitzenden im Sommer 1999 als integrative Kraft. Nach dem Schock des Wahldebakels von 1996, als die Südwest-SPD ihr bisher schlechtestes Ergebnis von 25,1 % einfuhr, vereinte Vogt die Parteigenossen um sich und schwor sie auf ein Ende der ständigen Personalquerelen ein. Mit der SPD-internen Zustimmung vermischten sich aber spätestens seit ihrer Nominierung durch die Parteibasis auch gewisse Zweifel: Sie sei zu jung, zu unerfahren, wurde ihr allenthalben vorgehalten. Vogt selbst sieht diese Bedenken aus der Welt geschafft, seit sie im Wahlkampf bei den Bekanntheits-und Beliebtheitsgraden nahe an ihren Kontrahenten Erwin Teufel herangekommen ist: "Das Thema ist durch", zeigt sie sich sicher.

Nicht zerstreuen konnte die permanent lächelnde Spitzenkandidatin jedoch Vorbehalte, "jung und fröhlich" sei nicht ausreichend, schließlich sei "Kompetenz statt Tralala" vonnöten. In ihren Wahlkampfreden setzte Vogt dem allerdings konkrete Vorstellungen in den Bereichen Bildung, Familie und Frauen entgegen. Dem Vorwurf, sie betrachte die Landtagswahl nur als Sprungbrett für einen weiteren Karriereschritt in Berlin, hält Vogt entgegen, sie gehe auf jeden Fall nach der Wahl nach Stuttgart.

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