Porträt: Vaclac Sverkos
"Das wichtigste Tor meines Lebens"

Vaclac Sverkos war mit seinem Siegtreffer gegen die Schweiz der Mann des Spiels. Karel Brückners Joker kam und stach - dabei ging der 24-jährige vor wenigen Monaten nicht davon aus, überhaupt nominiert zu werden. Ein Porträt.

Matchwinner Vaclav Sverkos kann wieder lachen. "Vor einem Jahr hätte ich niemals daran geglaubt, überhaupt bei der EM zu sein. Und jetzt habe ich das wichtigste Tor meines Lebens erzielt. Das war der schönste Moment meiner Karriere", meinte der frühere Gladbacher und Berliner Bundesligaprofi, nachdem er das goldene Tor für Tschechien zum 1:0 (0:0)-Sieg im Eröffnungsspiel der EM-Endrunde gegen Gastgeber Schweiz erzielt hatte.

Noch vor Jahresfrist war Sverkos am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt, nicht einmal in Österreich bei Austria Wien hatte sich das einstmals größte Talent Tschechiens durchsetzen können. Zwölf Monate später rückte der 24-Jährige urplötzlich zurück ins Rampenlicht, als er für Jan Koller nach 56 Minuten ins Spiel kam und 14 Minuten später das Tor erzielte. Kein Wunder, dass Sverkos nun Appetit auf mehr hat: "Es wäre schön, von Anfang an zu spielen. Ich bin aber auch nicht sauer, wenn es so läuft wie gegen die Schweiz: reinkommen und ein Tor schießen."

Da war sie zurück, diese Unbekümmertheit, die ihn einst bei Borussia Mönchengladbach ausgezeichnet hatte. Als 19-Jähriger war er damals zum Traditionsklub vom Niederrhein gewechselt, erkämpfte sich dort einen Stammplatz und avancierte gleich zum Publikumsliebling. Alles lief nach Plan, bis zu jenem Tag im November 2005, als seine Freundin Jana eine Totgeburt hatte. Das spitzbübische Lächeln aus dem Gesicht von "Sverki" ("Wir saßen zusammen und haben nur geweint") war mit einem Schlag verschwunden. Ein Tattoo mit dem Namen seines totgeborenen Sohnes (Maxim) auf dem Unterarm erinnert Sverkos immer wieder an den Schicksalsschlag.

Sverkos fiel in ein Tief, wechselte nach Berlin und enttäuschte. Sogar für die österreichische Liga war er zu schlecht. Zu Saisonbeginn folgte der letzte Ausweg, die Rückkehr zu Banik Ostrau und damit auch die Rückkehr zu alter Stärke. Mit 15 Treffern wurde er Torschützenkönig in Tschechien.

So darf der EM-Halbfinalist von 2004 trotz einer enttäuschenden Leistung vom Einzug ins Viertelfinale träumen. "Wir haben den ersten Schritt gemacht, aber wir haben noch zwei schwere Spiele", analysiert Sverkos und Koller ergänzte mit Blick auf das Duell gegen Portugal am Mittwoch: "An den EM-Titel denken wir noch nicht. Schritt für Schritt wollen wir erstmal das Viertelfinale erreichen. Dann sehen wir weiter."

So blieb keine Zeit zum Feiern. Das will Sverkos nach der EM, wo er "noch ein paar Tore schießen will", nachholen, bevor er dann vielleicht nochmal den Gang ins Ausland wagt. "Irgendwann möchte ich wieder in einer Topliga spielen. Das muss nicht Deutschland sein. Spanien oder Frankreich wäre auch interessant."

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%