Archiv
Porträt: Von der Verlegenheitslösung zur Favoritin

dpa/afp FRANKFURT. Frankfurts alte und neue Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) hat härter um ihre Wiederwahl kämpfen müssen, als sie selbst erwartet hatte. Vor zwei Wochen hatte SPD-Herausforderer Achim Vandreike die 56-Jährige überraschend in die Stichwahl gezwungen. Nachdem sie die "Verlängerung" für sich entschieden hatte, freute sie sich nun: "Es hat geklappt wie beim Elfmeterschießen."

Gerne spricht Roth von Frankfurts Rolle als "europäische Metropole". In Deutschland sieht sie ihre Stadt mit knapp 650 000 Einwohnern im Konkurrenzkampf mit dem ungleich größeren Berlin, international will die 56-Jährige ihre Wahlheimat als Standort der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter nach vorne bringen - im Wettstreit vor allem mit dem Finanzzentrum London.

Roth versteht sich in erster Linie als oberste Repräsentantin Frankfurts - doch wenn es nötig wird, greift sie auch in der Tagespolitik energisch durch. Als die SPD vor einem Jahr im Zuge der CDU-Spendenaffäre die Zusammenarbeit mit der Union aufkündigte, konterte Roth und entzog SPD-Dezernenten wichtige Kompetenzen.

Bei ihrer ersten Wahl zur Oberbürgermeisterin im Juni 1995 war Roth noch die "Verlegenheitskandidatin" der CDU, wie sie selbst rückblickend sagt. Doch war sie damals überraschend bereits im ersten Wahlgang gegen den favorisierten Amtsinhaber Andreas von Schoeler (SPD) als erste Frau an die Spitze der Bankenstadt gewählt worden.

Pakt mit unterschiedlichen Mehrheiten

In den knapp sechs Jahren ihrer ersten Amtszeit kämpfte Roth vor allem mit wechselnden Mehrheiten im Frankfurter "Römer". Ein ähnliches Schicksal steht ihr auch jetzt bevor: Durch den Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde sitzen künftig zehn Parteien in der Stadtverordnetenversammlung. Die CDU ist stärkste Kraft und könnte mit der SPD oder theoretisch auch mit den Grünen zusammengehen. Roth kündigte am Sonntag an, die CDU werde mit allen Parteien sprechen.

Roth ist keine Eingesessene

Roth, am 9. Mai 1944 in Bremen geboren, trat 1972 in die Frankfurter CDU ein. Fünf Jahre später zog sie erstmals ins Stadtparlament ein. Von 1987 bis 1995 saß sie für die Frankfurter CDU im Landtag, 1992 wurde sie als erste Frau an die Spitze der Frankfurter CDU gewählt. Roth ist seit 1994 Witwe und hat zwei Söhne, beide Juristen. Entspannung findet sie bei Musik von Bach oder bei der Lektüre von Werken Fontanes.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%