Porträt: Welche Zukunft hat Angela Merkel?

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Porträt: Welche Zukunft hat Angela Merkel?

Nach ihrer Niederlage wollte Angela Merkel am Wochenende niemanden mehr hören und sehen. Wortlos verließ sie am Samstagmittag zum Ende der Klausurtagung in Magdeburg das Hotel "Herrenkrug", wo kurz zuvor der Sieger im Kandidatenrennen, CSU-Chef Edmund Stoiber, seinen großen Auftritt hatte.

dpa MAGDEBURG. Einerseits wirkte sie mit sich im Reinen - überzeugt, dass es richtig war, Stoiber den Vortritt zu lassen. "Die Entscheidung hat mich stärker gemacht" bekannte sie. Andererseits: "Sie hat mich angestrengt und angespannt." Gleich nach ihrem Verzicht stellte sich manch einer in der Führungsmannschaft die bange Frage, wie es mit Merkel nun weiter gehe. Nach außen hatten ihr alle gleich nach Bekanntgabe Respekt und Hochachtung gezollt. "Das war eine souveräne Entscheidung", atmete Hessens Ministerpräsident Roland Koch durch. Sie werde durchaus noch eine lange Zeit Parteivorsitzende sein. Kandidatur aufgegeben, aber die Stellung als Parteivorsitzende gefestigt: Das schien Merkels Bilanz nach den dramatischen Stunden zunächst zu sein. Doch Solidaritätsbekundungen sind selten von Dauer.

Merkel hat die Kandidatur angestrebt, fast bis zuletzt. Noch am Montag hatte sie in der Fernseh-Talkshow "Beckmann" erklärt: "Ich habe die klare Vorstellung, wie ich als Bundeskanzlerin vieles besser machen werde." Doch offenbar spätestens zu Wochenmitte riss Merkel das Ruder rum, als immer deutlicher wurde, dass die CDU eher Stoiber will als die eigene Vorsitzende. Im engsten Kreis wurde im Konrad- Adenauer-Haus eine Exit-Strategie entwickelt, wie Merkel aus der verfahrenen Situation herauskommen könnte.

Die Runde entschied sich für den Befreiungsschlag in letzter Minute. Eine mögliche Demontage im Bundesvorstand sollte verhindert werden. Das wäre für sie vielleicht der Anfang vom Ende als CDU - Chefin gewesen. Das galt es zu verhindern.

Das Zurückstecken ist ein Karriereknick für Merkel, in deren politischer Biografie es bisher nur nach oben gegangen war. Niederlagen oder ein Zurückstecken müssten nicht unbedingt in der Politik das Aus für jegliche Ambitionen bedeuten, hieß es aber auch in ihrer Umgebung. Das beste Beispiel ist Helmut Kohl. "In der Politik gibt es auch eine zweite Chance", sagte einer.

Viel hängt für Merkel davon ab, wie die Bundestagswahl ausgeht. Gewinnt die Union mit Stoiber, dürfte, so ein Insider, Merkels Position als Parteichefin mittelfristig gesichert sein. Durch ihren Verzicht würde sie als eine "Mutter des Erfolges" gelten.

Verliert die Union, könnte die Lage für sie gefährlich werden. Dann könnte sich die Partei neu orientieren, wie nach der Niederlage 1998. Schon in den vergangenen Monaten hieß es oft, dann würde nach Koch gerufen. Andererseits wäre eine Niederlage der Union "zunächst einmal die Niederlage des Kandidaten Stoiber", sagt eine Stimme aus dem Vorstand. Sehe man dies so, bliebe für Merkel die Chance, nach der Wahl im Amt bestätigt zu werden.

Unklar ist auch Merkels Rolle im bevorstehenden Wahlkampf. Offenbar soll sie - was ihr als CDU-Chefin zusteht - eine herausgehobene Position erhalten. Vielleicht als eine Art zweite Speerspitze unmittelbar neben Stoiber. Manch einer in Magdeburg erinnerte sich da schon an die Arbeitsteilung zwischen Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder bei der SPD im vergangenen Wahlkampf.

Auch Stoiber baut auf die 47-Jährige: "Frau Merkel ist als Parteivorsitzende für alles kompetent."

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