Porträt
Wolfgang Schüssel: Der große Taktiker im Abseits

Seinen Anhängern gilt er als "brillanter Taktiker", seine Kritiker sehen in ihm nur den "opportunistischen Umfaller". Auf jeden Fall hat Wolfgang Schüssel in Österreich politisch alles erreicht, was zu erreichen ist. Der 57 Jahre alte Berufspolitiker war zunächst Wirtschaftsminister, dann Außenminister und wurde schließlich im Jahr 2000 Bundeskanzler. Vor acht Jahren rückte er zudem an die Spitze seiner Volkspartei (ÖVP).

HB WIEN. In seiner Karriere sorgte Schüssel immer wieder für Überraschungen. Vor allem sein Einzug ins Kanzleramt galt als Geniestreich, denn seine Partei war bei der Wahl 1999 nur Dritter geworden und Schüssel hatte den Gang in die Opposition versprochen. Ohne Problem schaffte es der Jurist auch, sich als "Architekt der Wenderegierung" zu präsentieren, obwohl er selbst elf Jahre lang eine der Säulen der großen Koalition aus Sozialdemokraten (SPÖ) und ÖVP war, die er nun anprangerte.

Der Berufspolitiker schrieb die Liberalisierung des Wirtschaftslebens und die Entstaatlichung als Programm auf seine Fahnen. Heute kreidet ihm die Opposition die höchste Abgabenbelastung der Bürger seit dem Krieg an.

Der als blitzgescheit geltende, aber oft oberlehrerhaft wirkende Intellektuelle verabscheut das bei Politikern beliebte "Bad in der Menge" und galt Werbestrategen daher als "schwer vermittelbar". Kritiker belächelten ihn wegen seiner Statur als "kleiner Prinz".

Der am 7. Juni 1945 in Wien geborene Schüssel ging nach dem Abschluss des Studiums als Sekretär der ÖVP-Parlamentsfraktion in die Politik. Seit 1989 sitzt er ohne Unterbrechung in der Bundesregierung. Sein ursprüngliches Markenzeichen, das bunte "Mascherl" (Fliege) hat er inzwischen abgestreift. Denn viele EU- Politiker hatten sich als Zeichen ihrer Ablehnung "Schüssel-Fliegen" ans Anzugrevers geheftet. Sie wollten damit gegen die Beteiligung der rechtspopulistischen FPÖ an der Regierung durch Schüssel protestieren.

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