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Portrait: Bayer-Chef Schneider vor Wechsel in Aufsichtsrat

Wenn Manfred Schneider aus seinem Büro im 26. Stock des Bayer-Hochhauses blickt, genießt er an klaren Tagen einen Blick bis ins Siebengebirge. Künftig wird der Vorstandschef des Bayer-Konzerns sehr viel bodennäher residieren.

Reuters LEVERKUSEN. Nach zehn Jahren an der Spitze des Chemie- und Pharmaunternehmens will sich Schneider bei der Hauptversammlung an diesem Freitag in den Aufsichtsrat wählen lassen und als dessen Vorsitzender in das dreistöckige Gebäude auf der anderen Straßenseite ziehen.

Das vergangene Jahr gehörte für den 63-Jährigen zu den schwierigsten seiner Amtszeit. Jahrelang konnte der Konzern unter seiner Führung Umsatz und Gewinn steigern oder zumindest auf hohem Niveau halten. Die Aktionäre profitierten mit einer sieben Mal in Folge erhöhten Dividende. Doch in Schneiders letztem Amtsjahr brach es wie ein Unwetter über ihn herein: Produktionsprobleme bei dem Bluterpräparat Kogenate, die schwache Konjunktur und vor allem der Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay ließen den Gewinn einbrechen.

Für Schneider waren die Ereignisse ein Grund mehr, seine seit Jahren bei Analysten in der Kritik stehende "Vier-Säulen-Strategie" zu verteidigen. Bei Einbußen in einem Geschäftsfeld habe Bayer so noch genügend Standbeine, um nicht ins Wanken zu geraten, argumentierte er. Dennoch war er gezwungen, den Umbau des Konzerns in die Wege zu leiten. Die neue Struktur - mit den in vier selbstständige Gesellschaften ausgegliederten Geschäftsfeldern Gesundheit, Pflanzenschutz, Polymere und Chemie unter dem Dach einer strategischen Holding - trage jedoch schon stark die Handschrift von Schneiders Nachfolger Werner Wenning, sagen Branchenkenner.

Nur gut eine Woche vor seinem letzten Arbeitstag als Vorstandschef bekam Schneider von der Europäischen Kommission grünes Licht für die Übernahme der Aventis Pflanzenschutzsparte CropScience - die größte Akquisition in der Bayer-Geschichte. Die schwierige Suche nach Partnern im Pharma- und Chemiegeschäft kann der leidenschaftliche Fußballfan nur noch von seinem Stuhl im Kontrollgremium begleiten. Mit Finanzvorstand Wenning habe er bereits vereinbart, dass ihm sein Nachfolger die Gelbe Karte zeigen solle, falls er sich zu stark einmische, sagte Schneider.

Nach Abschluss der Hauptversammlungssaison will sich Schneider zunächst einmal auf Sylt erholen. Dass er den Urlaub diesmal bis zum Schluss durchhalte, könne sich jedoch nicht einmal seine Tochter vorstellen, berichtete Schneider im Vorfeld des Amtswechsels. Sie habe eine recht hohe Summe gewettet, dass der Vater wie in den Vorjahren vorzeitig wieder in Richtung Leverkusen abreist.

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