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Portrait: Generalsekretär Laurenz Meyer

Wenn CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer charakterisiert wird, dann fällt fast immer auch das Wort "scharfzüngig". Diese Eigenschaft und seine Angriffslust ließen Meyer als den geeigneten Generalsekretär erscheinen, als die CDU im vergangenen Jahr wieder einmal diesen Führungsposten neu besetzen musste.

afp DRESDEN. Die SPD im Bund sollte der neue "General" ängstigen. Seit seiner Nominierung schoss Meyer aber auch schon mehrfach übers Ziel hinaus - und musste von seinen eigenen Parteifreunde zurückgepfiffen werden. Auch mangelndes Gespür für seine Partei wurde ihm vorgeworfen. Dennoch wurde Meyer am Montag auf dem Dresdner CDU-Parteitag mit einem Traumergebnis von 90 % im Amt bestätigt.

Nach Meyers Nominierung im vergangenen Jahr hatte sich der Ton in der politischen Auseinandersetzung zwischen Union und SPD deutlich verschärft. Genau das hatte der neue "General" seiner Partei auch versprochen. Es liege ihm, "wenn der politische Gegner das unbedingt möchte, statt auf Florett auf Säbel zu setzen", beschrieb sich der als konservativ geltende Meyer bei seiner Vorstellung im Oktober 2000. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ruprecht Polenz galt Meyer als allzeit bereit zum Streit. Seine Parteichefin düpierte er jedoch schon bei seiner Vorstellung, indem er mit Bick auf seinen gescheiterten Vorgänger verkündete, einen "zweiten Missgriff" beim Generalsekretär könne sich Angela Merkel nicht erlauben. Doch schon bei seiner vorläufigen Wahl auf dem kleinen Parteitag der Christdemokraten in Stuttgart im November 2000 wurde Meyer mit der überwältigenden Mehrheit 99 von 100 gültigen Stimmen gewählt.

Danach hat sich der 53-jährige Ostwestfale weitere Patzer geleistet: Wenige Wochen nach seiner Wahl, Ende Januar, löste er mit einem Rentenplakat einen Sturm der Entrüstung aus: Die CDU musste das "Verbrecherfoto" des Kanzlers zurückziehen. Meyer wurde vorsichtiger, ruhig wurde es um ihn aber nicht. Im März wurde der Generalsekretär von grüner Seite so scharf attackiert, dass sich Umweltminister Jürgen Trittin entschuldigen musste. Trittin hatte nach deutschtümelnden Äußerungen Meyers gesagt: "Laurenz Meyer hat die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen." Darüber wäre der Minister beinahe gestürzt. Ende April dann geriet Meyer zusammen mit Merkel ins Zwielicht, weil beide zugeben mussten, die Öffentlichkeit erst nach Wochen über eine Millionen-Zahlung im Zusammenhang mit der Spendenaffäre unterrichtet zu haben. Ende Juli musste Meyer Gerüchte zurückweisen, er wolle wegen Zwistigkeiten mit Merkel vor dem Dresdner Parteitag zurücktreten.

Seit 33 Jahren ist Meyer der CDU schon verbunden. Den Weg zu den Christdemokraten fand er nach eigenem Bekunden 1968 aber eher zufällig. Der Diplom-Volkswirt, der nach seinem Examen an der Uni Münster 1975 jahrelang beim Dortmunder Energieversorger VEW gearbeitet hatte, zog 1990 in den NRW-Landtag ein, wo er sich als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU einsetzte, bevor er 1997 zum Fraktionsvize gewählt wurde.

Meyer hatte sich in seiner Heimat NRW der Bundes-CDU empfohlen. Von der CDU-Oppositionsspitze im Düsseldorfer Landtag aus - im Februar 1999 stieg Meyer dort vom Fraktionsvize zum Fraktionschef auf - setzte er den Sozialdemokraten hart zu. Der scharfe, wenn auch nicht gerade begnadete Rhetoriker ließ in der Affäre um Politikerflüge mit der WestLB nicht locker. Respekt in den eigenen Reihen verschaffte sich Meyer indes nicht nur durch seinen aggressiven Stil: Parteiinterne Loyalität bewies der Vater von vier Kindern, als er nach der verlorenen NRW-Wahl im Mai klaglos den Posten des Fraktionschefs für Jürgen Rüttgers räumte.

In Dresden machten die Delegierten nun deutlich, dass sie die Arbeit ihres "Generals" trotz mancher Patzer schätzen - und Parteichefin Angela Merkel versicherte: "Wir werden gemeinsam einen tollen Wahlkampf hinlegen.

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