Portrait Peter Struck
Peter Struck - Der Alleskönner als Verteidigungsminister

"Ein Fraktionsvorsitzender muss alles können", heißt es selbstwusst in der SPD-Fraktion, wenn nach den militärischen Vorkenntnissen des neuen Verteidigungsministers Peter Struck (59) gefragt wird.

HB BERLIN. Und nicht minder überzeugt heißt es weiter, mit Struck schicke man schließlich «den ersten Mann der Fraktion» und «unser bestes Pferd» zur Bundeswehr. «Das ist auch ein klares Signal, dass wir nach dem 22. September weiter regieren werden», fügt der Fraktions-Vizevorsitzende Gernot Erler hinzu.

Mit der ungebrochenen Unterstützung, die Struck jetzt von allen politischen Flügeln der SPD-Fraktion erhält, war es nicht immer so. Als er 1998 als vormaliger Parlamentarischer Geschäftsführer den Vorsitz der stark angewachsenen Fraktion übernahm, wurde er von nicht wenigen zunächst eher als "Strippenzieher" oder "Technokrat" misstrauisch beäugt.

Kein Erfüllungsgehilfe von Kanzler Schröder

Doch schon in den ersten, mit vielen Anfangspannen befrachteten Monaten der rot-grünen Regierungszeit machte Struck schnell deutlich, dass er sich nicht als "Erfüllungsgehilfe" von Kanzler Gerhard Schröder und der Regierungsbank verstand. Unter Strucks Leitung demonstrierte die Regierungsfraktion mehr und mehr Selbstbewusstsein und verstand sich nie als reiner "Abnickverein" von Kabinettsvorlagen.

Dabei gefiel sich Struck eher in der Rolle des Mittlers zwischen Kanzleramt und Fraktion und weniger in der des "Fraktions- Zuchtmeisters" - und wurde damit für die SPD-Spitze immer unentbehrlicher. Als Schröder den USA einen Bundeswehreinsatz in Afghanistan zusagte, brachte Struck zwar die unsicheren Kantonisten in der eigenen Fraktion mit unverhohlenen Drohungen hinter die Position des Kanzlers. Doch zugleich schreckte Struck auch nicht vor Konflikten mit den eigenen Ministern zurück.

Durchsetzungskraft auch gegenüber Ministern

So trotzte er Innenminister Otto Schily (SPD) Kompromisse beim Zuwanderungsgesetz ab. Auch beim Streit über das Stasi- Unterlagengesetz setzte sich die Fraktionsposition klar gegen Schily durch. Herbe Kritik aus der Fraktion musste auch Rudolf Scharping (SPD) einstecken, als er mit Badefotos auf Mallorca von sich reden machte.

Den Fraktionsvorsitz hatte Struck vor vier Jahren von Scharping übernommen, der beim SPD-Regierungsantritt nur widerwillig ins Verteidigungsministerium gezogen war. Nun folgt Struck ihm ein zweites Mal nach - diesmal auf die Bonner Hardthöhe, wo das Ministerium noch immer seinen Hauptsitz hat.

Strucks Markenzeichen

Strucks Markenzeichen sind Glatze, Schnauzbart und Tabakspfeife. In seiner Freizeit schwingt er sich auch gern auf ein schweres Motorrad. Der am 24. Januar 1943 in Göttingen geborene promovierte Jurist hatte sich zwischen 1990 und 1998 als Parlamentarischer Geschäftsführer hervorgetan. Als SPD-Obmann im Flick-Ausschuss oder als SPD-Sprecher im Vermittlungsausschuss hat der passionierte Finanzpolitiker sein Handwerk verfeinert.

Trotz vieler Berliner Termine ist der Vater dreier erwachsener Kinder und dreifacher Großvater weiter zu Hause in Uelzen stark verwurzelt. Dort engagierte er sich nach dem Parteieintritt 1964 zunächst in der Lokalpolitik.

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