Portrait
Schüssel sichert ÖVP Sieg und Kanzlerposten

Wolfgang Schüssel hat die konservative Volkspartei (ÖVP) bei der österreichischen Parlamentswahl zum ersten Mal seit 36 Jahren zur stärksten Partei des Landes gemacht.

Reuters WIEN. Der 57-Jährige holte für die ÖVP mit einem Rekordgewinn von knapp 15 Prozentpunkten den Sieg. Die ÖVP erreichte nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis rund 42,2 Prozent der Stimmen. Das Amt als Regierungschef ist ihm damit so gut wie sicher. Im Februar 2000 war er nur mit Hilfe der FPÖ Kanzler geworden, nachdem die ÖVP bei der Wahl hinter der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) und der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) gelegen hatte.

Diesmal verlor die FPÖ rund zwei Drittel der Stimmen, die sie 1999 errungen hatte, aber Schüssel hatte aus dem Schaden des früheren Partners gleich den doppelten Nutzen. Die ÖVP zog viele enttäuschte frühere FPÖ-Wähler in ihr Lager und sicherte sich zugleich einen Koalitionspartner - die Mehrheit von ÖVP und FPÖ im Parlament blieb bestehen. Zudem könnte die ÖVP ihren Einfluss in einer Regierung mit einer deutlich geschrumpften FPÖ als Partner künftig deutlich ausbauen.

Seine Amtszeit als Bundeskanzler begann Schüssel mit einer schweren Hypothek. Die EU-Staaten verhängten wegen der Regierungsbeteiligung der FPÖ Sanktionen gegen Österreich. Schüssel machte während der Proteste eine Wandlung durch: Von seinem Markenzeichen, dem "Mascherl" (Fliege), stieg der Wiener auf die bei Politikern weitaus häufiger gesehene Krawatte um.

Den Sieg für die ÖVP schaffte Schüssel erst im dritten Anlauf. Bei den Parlamentswahlen 1995 und 1999 blieb die ÖVP trotz Schüssels Führungsanspruch hinter der SPÖ zurück. Den jetzigen Triumph dürfte er nicht nur dem Richtungsstreit in der FPÖ, sondern dem beliebtesten Politiker der ÖVP-FPÖ-Regierung zu verdanken haben: Schüssel bot dem jungen Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ) an, in sein Team zu wechseln. Der Strahlemann der FPÖ warb im Wahlkampf fortan für die ÖVP.

Mit dem Absturz des Koalitionspartners in der Wählergunst kann es Schüssel für sich verbuchen, aus der umstrittenen FPÖ-Regierungsbeteiligung für die ÖVP den größtmöglichen Erfolg gemacht zu haben. Allerdings habe Schüssel den früheren FPÖ-Chef Haider nicht gezähmt, wie oft behauptet werde, sagte der Politikwissenschaftler Emmerich Talos von der Universität Wien. Zur Zerstörung der FPÖ habe "nicht Schüssel, sondern Haider eigenhändig viel beigetragen", sagte Talos.

Schüssel war in der Großen Koalition von SPÖ und ÖVP ab 1989 Wirtschaftsminister und von 1995 bis 1999 Außenminister. Im Wahlkampf warb der Politiker, der auf viele Bürger einst vor allem kühl, überheblich und ehrgeizig wirkte, mit seinem Talent als Cello-Spieler und Hobby-Stürmer auf dem Fußballplatz um Stimmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%