Portrait
"Sunnyboy" Haffa: Hoch geflogen - tief gestürzt

Kaum ein Unternehmer in Deutschland ist in den vergangenen Jahren so hoch gestiegen und so tief gestürzt wie der EM.TV-Vorstandsvorsitzende Thomas Haffa. Noch vor gut zwölf Monaten war der 49-Jährige mehrfacher Milliardär und galt als der Vorzeige- Unternehmer am Neuen Markt. Doch im vergangenen Jahr begann mit der Korrektur der Gewinnerwartungen der Abstieg, im Zuge der Krise nahm die Münchner Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

dpa MÜNCHEN. Nach der Vorlage eines Rekordverlusts von knapp 2,6 Mrd. DM für das vergangene Jahr galt Haffa nun als Symbolfigur für die Krise am Neuen Markt. Nach Informationen aus Branchenkreisen tritt Haffa an diesem Mittwoch zurück.

Sein Handwerk hatte Haffa bei der Kirch-Gruppe gelernt. Dort baute er das Video-Geschäft mit auf. 1989 machte er sich selbstständig, gründete EM.TV und baute einen Programmstock von über 30 000 halbstündigen Kinder- und Jugendsendungen auf. Übernommen hat sich der Konzern nach Einschätzung von Beobachtern spätestens mit den milliardenschweren Übernahmen im vergangenen Jahr. Für die Formel 1- Beteiligung und Jim Henson ("Muppetshow") habe Haffa in der Wachstumseuphorie einen viel zu hohen Preis bezahlt. Abschreibungen und Wertberichtigungen führten zu den drastischen Verlusten.

Haffa galt in Erfolgszeiten als "Sunnyboy". Braugebrannt fuhr er in der eigenen Yacht vor, auf Hauptversammlungen ließ er sich nach dem kometenhaften Aufstieg hymnisch feiern. Auch Konkurrenten räumten ein: "Verkaufen kann er." In der Krise habe er die echten und die falschen Freunde kennen gelernt, sagte Haffa neulich. Als echter Freund fiel dem Vorstandschef allerdings auf Nachfrage nur einer ein: "Leo Kirch".

Haffas Bruder Florian trat bereits im vergangenen Jahr als Finanzvorstand und Konzern-Vize zurück. Thomas beteuerte dagegen noch Ende April: "Der Traum ist nicht vorbei." Er habe die Kraft für den Neuanfang. Am 1. August müsste sich Haffa allerdings auf der Hauptversammlung wütenden Aktionären stellen. Mit seinem Rücktritt ginge Haffa nun der Konfrontation aus dem Weg. Finanzielle Sorgen machen müsste sich Haffa vermutlich nicht. Der Verkaufswert seiner EM.TV-Beteiligung, die er noch hält, wurde zuletzt auf 180 Mill. DM geschätzt.

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