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Portugal nach Elfmeter-Krimi im Halbfinale

Lissabon (dpa) - Torhüter Pereira Ricardo hat England aus allen Titelträumen gerissen und Gastgeber Portugal mit einer Heldentat im Elfmeterkrimi zum dritten Mal nach 1984 und 2000 ins Halbfinale einer Fußball-Europameisterschaft gebracht.

Lissabon (dpa) - Torhüter Pereira Ricardo hat England aus allen Titelträumen gerissen und Gastgeber Portugal mit einer Heldentat im Elfmeterkrimi zum dritten Mal nach 1984 und 2000 ins Halbfinale einer Fußball-Europameisterschaft gebracht.

Nach einer begeisternden Viertelfinal-Partie in Lissabon hielt der Keeper von Sporting Lissabon den Elfmeter von Darius Vassell und vollstreckte dann selbst zum 6:5.

England hatte nach der 1:0-Führung durch Michael Owen (3.) 80 Minuten in Führung gelegen, ehe ausgerechnet England-«Legionär» Hélder Postiga von Tottenham Hotspur der Ausgleich gelang (83.). In der Verlängerung hatte zunächst Rui Costa vom AC Mailand die Portugiesen jubeln lassen (110.), ehe Frank Lampard die Engländer mit dem 2:2 ins Elfmeterschießen brachte (115.).

Während Portugal mit seinem brasilianischen Weltmeister-Trainer Luiz Felipe Scolari in Lissabon gegen Schweden oder die Niederlande um den Einzug ins Endspiel kämpft, konnten die Engländer die hoch gesteckten Erwartungen wie schon vor vier Jahren nicht erfüllen. Die Briten mussten ab der 27. Minute ohne den am rechten Knöchel verletzten «Wunderknaben» Wayne Rooney auskommen.

Die 62 275 Zuschauer im ausverkauften «Estádio da Luz» sahen ein Klassespiel ohne taktische Zwänge. Wenn es nach Eusébio geht, spielt die Heimmannschaft nun sogar um seinen ersten EM-Titel. «Der Sieger dieser Partie kommt ins Finale», prophezeite Portugals Fußball- Legende.

Für die Engländer, die im Gedenken an einen Anfang der Woche erstochenen Fan mit Trauerflor spielten, war das Spiel der offenen Rechnungen eines mit schlechten Vorzeichen. Portugal hat seit 17 Jahren in Lissabon kein Länderspiel mehr verloren. Zudem bot Scolari für den gelbgesperrten Pedro Pauleta als einzige Spitze Nuno Gomes auf, jenen Mann, der seit der EM 2000 ein rotes Tuch für die englischen «Löwen» ist, weil er im nicht minder begeisternden Gruppenspiel vor vier Jahren in Eindhoven die Aufholjagd der Portugiesen nach 0:2 mit dem Siegtor gekrönt hatte. Die Engländer mussten damals nach der Vorrunde nach Hause fahren.

Bei der WM 2002 reichte es immerhin für das Viertelfinale, in dem der spätere Weltmeister Brasilien die Engländer stoppte. Scolari war damals noch Trainer der «Seleçao», und Sven-Göran Eriksson erneut der Geschlagene. Die Revanche für den schwedischen Coach fiel aus.

Zum ersten Mal seit der 1:2-Niederlage zum EM-Auftakt gegen Griechenland mussten die Portugiesen einem Rückstand hinterher laufen, an dessen Entstehung sie selbst mitgewirkt hatten. Francisco Costinha ließ einen weiten Abschlag des englischen Torhüters David James über den Hinterkopf rutschen, Owen vollendete gekonnt aus der Drehung (3.). Es war das 26. Länderspieltor für Englands Rekordschützen.

Der in der Vorrunde schwache Owen hatte nach dem frühen 1:0 Chancen auf ein zweites Tor (19., 30.) und entpuppte sich als wertvollster Mann der Engländer. Erst recht, als Rooney mit verstauchtem Knöchel vom Feld humpelte. Der 18-Jährige, der bei der EM schon vier Tore erzielt hatte, verletzte sich in einem Zweikampf mit Jorge Andrade, der ihm im Strafraum auf den Hacken getreten war.

Die Portugiesen blieben den hart in die Zweikämpfe gehenden Engländern nichts schuldig und hatten mehr vom Spiel. Nuno Maniche (8.), Nuno Gomes (10.) und Monteiro Miguel (25.) hätten schon in der ersten Halbzeit zurückschlagen können. Nach Wiederanpfiff setzten die Portugiesen ihren Sturmlauf fort. Teilweise hielten sich bis auf Torhüter Ricardo alle Spieler in der englischen Hälfte auf. Und sie wurden belohnt, als der für den glücklosen Luís Figo eingewechselte Postiga per Kopf nach Flanke von Simão den hoch verdienten Ausgleich erzielte (83.) und gegen seine Kollegen aus der Premier League die Verlängerung erzwang. Ein Tor von Sol Campbell nach Lattenkopfball von Owen (90.) wurde nicht anerkannt, weil John Terry den portugiesischen Torwart attackiert hatte.

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