Portugal
Scolari zu Chelsea, Deco soll folgen

Die Euro 2008 hat ihren ersten großen Transfer: Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari wechselt nach dem Turnier nach England zum FC Chelsea. Spielmacher Deco könnte folgen, bei Chelsea hat der Mittelfeldspieler oberste Priorität.

HB. NEUCHATEL. Beim Abendessen im portugiesischen Teamquartier von Neuchâtel bat Luiz Felipe Scolari noch einmal um das Wort. Es soll eine emotionale Ansprache gewesen sein, wie immer halt, wenn der Brasilianer Scolari über Portugal spricht. "Felipão" hat im Südwesten Europas eine neue Heimat gefunden, und im Land haben sie ihn seit der euphorischen Heim-EM 2004 als einen der Ihren adoptiert. Vier Jahre später wird die Liaison nun beendet. Scolari (59) ließ wissen, dass er nach diesem Turnier das Traineramt beim FC Chelsea übernehmen wird. Von den Spielern gab es spontanen Applaus.

Die Euro 2008 hat also ihren ersten großen Transfer. Am Montag hatten sich Chelseas Unterhändler in der Schweiz mit Scolari getroffen. Bis zu 7,5 Millionen Euro im Jahr soll er verdienen, der Vertrag drei Jahre laufen. Scolari wollte die Bekanntgabe des Deals bis nach Turnierende hinauszögern, aber Chelsea insistierte, nicht länger warten zu können. Da schien das Erreichen des Viertelfinals am Mittwoch durch ein 3:1 über Tschechien ein günstiger Moment - während Scolari (Foto) die Spieler informierte, vermeldete Chelsea den Transfer. Man habe den Wunschtrainer verpflichtet.

Für den Klub von Michael Ballack bedeutet der Brasilianer so etwas wie eine Reise zurück in die Zukunft. Ähnlich dem vorigen September entlassenen Portugiesen José Mourinho ist Scolari ein Exzentriker, nach außen bisweilen schroff, nach innen der Typ väterlicher Freund. "Er ist die Art von Mensch, auf den die Spieler reagieren", sagt Portugals Nationalverteidiger Ricardo Carvalho, Angestellter beim FC Chelsea.

Scolaris Auftrag ist klar, er soll Klubeigner Roman Abramowitsch den sehnlichen Wunsch nach dem Gewinn des Europapokals erfüllen. "O rei do mata-mata", nennen sie ihn in seiner brasilianischen Heimat, "den König der K.o.-Spiele". Mit Grêmio Porto Alegre und Palmeiras São Paulo holte er zweimal die Copa Libertadores, das südamerikanische Pendant zur Champions League, mit der brasilianischen Nationalelf 2002 den WM-Titel. Damals besiegte er im Viertelfinale seine künftige Wahlheimat, gleiches gelang bei der EM 2004 und der WM 2006 mit Portugal. Der englische Verband wollte ihn vor zwei Jahren daher zum Nationaltrainer machen und eigentlich war man sich auch schon handelseinig. Dann aber machte Scolari einen Rückzieher - seine Frau, erschrocken über englische Paparazzi vor dem Familienanwesen, hatte ihr Veto eingelegt.

Dieser Herausforderung will sich Senhora Scolari nun stellen, die Unterschrift soll alsbald vollzogen werden. Ihr Mann wird dann schleunigst Englisch lernen müssen und zu entscheiden haben, wie er die über 100 Millionen Euro ausgeben will, die ihm Abramowitsch für Spielertransfers zur Verfügung stellt. Portugals gegen Tschechien mal wieder überragender Spielmacher Deco, noch FC Barcelona, gilt als oberste Priorität. Derweil wird für die Nachfolge Scolaris unter den Nationalspielern der Assistenztrainer von Manchester United, Carlos Queiroz, favorisiert.

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