Positionen zu Schutzimpfungen aber weiter unterschiedlich
Künast und Höhn legen Streit über Umgang mit MKS bei

Die Grünen-Ministerinnen Renate Künast und Bärbel Höhn haben ihren Streit über die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche (MKS) beigelegt. Gleichwohl machten Bundesverbraucherschutzministerin Künast und die NRW-Agrarministerin Höhn am Freitag nach einem Treffen in Berlin klar, dass sie weiterhin unterschiedliche Positionen zu MKS-Schutzimpfungen haben.

Reuters BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) äußerte seine Unterstützung für die impfkritische Haltung Künasts. Wie Künast und Höhn hält auch er Änderungen der Impfpolitik nur auf EU-Ebene für möglich. Die zwei MKS-Verdachtsfälle in Hessen bestätigten sich nicht, Bayern meldete einen ersten Verdachtsfall.

Änderungen in der Impfpolitik könnten nur europaweit herbeigeführt werden, sagten Künast und Höhn nach dem von ihnen als intensiv beschriebenen Gespräch. Bis dahin würden in einem akuten MKS-Fall die geltenden Impfvorschriften angewendet, sagte Höhn. Sie wolle die geltende Impf-Richtlinie der Europäischen Union (EU) nicht verletzen. Diese sieht im Fall eines MKS-Ausbruchs unter bestimmten Bedingungen Impfungen vor. Anschließend müssen die Tiere getötet werden.

Höhn und Künast weiter unterschiedlicher Meinung über Schutzimpfungen

Ihr Ziel sei es, diese Richtlinie in einem konkreten MKS-Fall so auszuschöpfen, dass Fleisch und Milch von geimpften Tieren trotzdem in der Region verwendet werden darf, sagte Höhn. Sie und Künast betonten, dass sie noch immer unterschiedliche Meinungen über präventive MKS-Impfungen hätten. Dies sei jedoch auch in der Wissenschaft nicht anders.

Bundeskanzler Schröder stellte sich in der Impf-Frage auf die Seite Künasts. Änderungen des EU-Impfverbots könnten nur innerhalb der EU durchgesetzt werden, sagte Schröder im "Bericht aus Berlin", die am Freitagabend von der ARD ausgestrahlt werden sollte. Deutschland könne in Europa nicht isoliert handeln. Handele ein Land so, laufe es Gefahr, "mit Sanktionen, mit Sperren für Fleischexporte belegt zu werden". Das hätte fürchterliche Folgen für die Produzenten. "Das versucht Frau Künast zu verhindern", sagte Schröder.

MKS-Verdacht in Hessen hat sich nicht bestätigt

Das hessische Sozialministerium gab im Fall der beiden unter MKS-Verdacht stehenden Höfe bei Gießen Entwarnung. Auch bei dem zweiten Betrieb in Krosdorf-Kleiberg könne MKS nach dem virologischen Urteil definitiv ausgeschlossen werden, sagte Ministeriumssprecherin Petra Müller-Klepper in Gießen. Der Personenverkehr in die betroffenen Orte wurde inzwischen wieder vollständig freigegeben, jedoch bleiben beide Höfe weiterhin für Tiertransporte und Schlachtungen gesperrt.

Bayern meldete einen MKS-Verdachtsfall. Bei einer Schafherde im Landkreis Landshut seien zwar Lahmheitssymptome festgestellt worden, sie seien aber MKS-umspezifisch, teilte das Verbraucherschutzministerium in München mit. Es könne sich auch um die für diese Jahreszeit bei Schafen typische Moderhinke mit Lungenentzündung handeln. Das Landratsamt Landshut sperrte den Hof im Raum Vilsbiburg mir rund 1300 Schafen vorsorglich ab.

MKS-Bekämpfung bringt EU möglicherweise in finanzielle Bedrängnis

Auf die EU kommen wegen der Maul- und Klauenseuche erhebliche finanzielle Probleme zu. EU-Agrarkommissar Franz Fischler sagte der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe), allein der Anteil der EU an direkten Kosten der Seuchenbekämpfung belaufe sich bis jetzt auf 330 Mill. DM. Zudem könnten der EU auch indirekte Kosten entstehen, sagte Fischler unter Verweis auf Russland, dass wegen MKS ein Importverbot für Fleisch aus der Europäischen Union verhängt hat. Russland nehme bisher 40 % der europäischen Rindfleischproduktion ab. Wenn dieser Markt wegfalle, könne das dazu führen, dass mehr Fleisch als geplant aufgekauft und gelagert werden müsse.

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