Positive A-Probe
Wallach Rusty unter Doping-Verdacht

Der Reitsport hat den prominentesten Doping-Fall seiner Geschichte. Bei Ulla Salzgebers Erfolgspferd Rusty ist nach dem Weltcup-Sieg im März in Göteborg die verbotene Substanz Testosteron festgestellt worden. "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen", sagte am Mittwoch die Weltranglisten-Erste aus Bad Wörishofen, die seit einer Woche von der positiven A-Probe weiß.

HB/dpa HANNOVER. Die Doppel-Europameisterin vermutet, dass es sich um die Nebenwirkung einer vorherigen Behandlung einer Hautkrankheit handelt. Die überragende Dressur-Reiterin der vergangenen zwei Jahren ist rat- und fassungslos: "Ich war bei der Behandlung nicht dabei, das war im Nachhinein wohl ein Fehler." Ihr Heimtierarzt Dr. Hans Stihl (Schweiz) habe bei Rusty am 14. März im Rahmen einer Routineuntersuchung wegen einer Hauterkrankung das Präparat Testosteron-Proprionat eingesetzt. Salzgeber ritt zu diesem Zeitpunkt beim Weltcup-Turnier in Dortmund mit ihrem Zweitpferd Wall Street. "Er hat mir, wie bei Kleinigkeiten seit acht Jahren üblich, nichts gesagt", erklärte die 44 Jahre alte Olympiasiegerin und Weltmeisterin mit der Mannschaft.

"Ich hätte noch mal nachfragen sollen", sagte Salzgeber, die sich selbst Fahrlässigkeit vorwirft. "Alles, wofür ich in den letzten acht Jahren hart gearbeitet und gekämpft habe, steht damit auf dem Spiel. Alle Erfolge, die ich mit Rusty erzielt habe, stehen nun in einem anderen Licht da", meinte die Reiterin. "Ich wusste doch genau, dass Rusty im Falle eines Sieges in Göteborg in die Medikationskontrolle kommen würde. Ich hätte wahnsinnig sein müssen, da im Vorfeld von Göteborg etwas manipulieren zu wollen."

Start bei der EM gefährdet

Sollte die B-Probe das Ergebnis wie von ihr erwartet bestätigen, dann würde die Internationale Reiterliche Vereinigung FEI ein Verfahren einleiten. Als sicher gilt, dass der Weltranglisten-Ersten dann der Weltcup-Sieg aberkannt und der zweitplatzierten Debbie McDonald zugesprochen würde. Äußerst unwahrscheinlich ist nun, dass die Doppel-Europameisterin in sechs Wochen bei der EM in Hickstead ihre Titel verteidigen kann.

Bei der Deutschen Meisterschaft, die in einer Woche in Gera stattfinden, darf und will Salzgeber starten. Vom deutschen Verband (FN) wird der Dressur-Star aber nicht für die EM nominiert, wenn - wie zu erwarten ist - das Verfahren in sechs Wochen noch läuft. Gegen diese nationale Regelung, die auf einer Entscheidung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) basiert, könnte Salzgeber nur vor einem ordentlichen Gericht klagen. "Ich habe mich noch nicht entschieden", sagte Salzgeber.

Nach Angaben der FN ist die medizinische Behandlung eines Pferdes zwischen zwei Turnieren vollkommen legitim. Entscheidend ist, dass das Pferd zum Zeitpunkt des Wettkampfs gesund und frei von Rückständen verbotener Substanzen ist. Stihl hatte Salzgeber vergangene Woche erklärt, dass nach derzeitigen Erkenntnissen die niedrige Dosierung dazu hätte führen müssen, dass die Substanz zwei Wochen später in Göteborg weder wirksam noch nachweisbar gewesen sei. Stihl, der als einer der international renommiertesten Fachtierärzte gilt, hatte die Behandlung nach FN-Angaben nicht mit dem deutschen Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (Weilerswist) abgesprochen.

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