Positive Bilanz zum 10. Geburtstag des Franz-Josef-Strauß-Airports
Flughafen München hängt Konkurrenz ab

Vor 10 Jahren als Investitionsruine abgeschrieben, hat sich der Münchner Flughafen zu einem der wachstumsstärksten Airports in Europa entwickelt. Auch die Luftfahrtkrise meistern die Bayern vergleichsweise gut. Der scheidende Flughafenchef Hermsen glaubt, die Talsohle durchschritten zu haben.

MÜNCHEN. Der Münchener Flughafen wurde heute vor zehn Jahren nach einem spektakulären Umzug innerhalb eines Tages vom stadtnahen Riem ins Erdinger Moos eröffnet. In den ersten Jahren als "Investitionsruine" und von Ex-Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau als "nur aus der Luft erreichbar" angefeindet, hat sich der jüngste deutsche Verkehrsflughafen inzwischen zum wichtigen Drehkreuz gemausert. Bis auf Frankfurt haben die Bayern die deutsche Konkurrenz hinter sich gelassen. Bei Starts und Landungen legten die Münchener jährlich dreimal so schnell zu wie der Durchschnitt der anderen deutschen Flughäfen. In Europa kämpfte sich der Airport auf den achten Platz.

Selbst die Luftfahrtkrise nach dem 11. September hat der Münchner Flughafen relativ gut verkraftet. "Als einer der ganz wenigen Flughäfen haben wir 2001 bei den Passagierzahlen trotz des Einbruchs nach den Terroranschlägen noch zulegen können", freut sich Willi Hermsen. Die Passagierzahlen verdoppelten sich seit 1992 auf 23,6 Millionen in 2001. Der Flughafenchef war von Anfang an dabei und nimmt das Jubiläum zum Anlass für seinen Rückzug aus dem Unternehmen. Im Herbst kommt sein Nachfolger, der bisherige Hamburger Flughafenchef Michael Kerkloh.

Hermsens Bilanz kann sich sehen lassen: Der Umsatz hat sich in zehn Jahren auf zuletzt 570 Mill. Euro verdoppelt. Seit Mitte der 90er Jahre schreibt die Flughafengesellschaft schwarze Zahlen. Ohne den 11. September hätte der Flughafen es im vergangenen Jahr geschafft, die Anlaufverluste von insgesamt 337 Mill. DM endgültig abzutragen, ist sich Hermsen sicher. Die Restschulden beziffert der Flughafenchef auf jetzt noch 6,5 Mill. Euro.

Noch spürt der Flughafen die Luftfahrtkrise. Im ersten Quartal flogen 7 % weniger Passagiere. Aber Hermsen sieht inzwischen bereits eine "leichte Erholung". Der absolute Tiefpunkt im vergangenen Dezember mit einem Passagierminus um 12 % sei durchschritten. Im Gesamtjahr werde das vergangene Rekordjahr "nicht ganz" erreicht.

Hermsen ist schwierige Situationen gewohnt. Besonders in den ersten Jahren hatte der Flughafen starken Gegenwind. Die Lufthansa als wichtigster Kunde steckte tief in der Krise und konzentrierte sich allein auf Frankfurt. München galt lange als überdimensioniert und viel zu weit außerhalb der Stadt. Weil Hermsen bis zum Jahr 2000 rund 18 Millionen Passagiere prognostizierte, wurde er damals in der Presse als "Wachstumsfetischist" bezeichnet. Wegen der hohen Anlaufverluste musste der Flughafenchef trotz ständig wachsender Passagierzahlen die Kosten senken und seine Mannschaft von 3300 auf 2800 Beschäftigte verkleinern.

Doch der vermeintliche Nachteil des Airports entpuppte sich als größter Vorteil. Der Frankfurter Flughafen stieß immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen. Die Lufthansa erholte sich und benötigte die Münchener plötzlich zum Wachsen. Die Entscheidung von Lufthansa-Chef Jürgen Weber, die weiß-blaue Metropole als zweite Drehscheibe aufzubauen, brachte ab 1996 den Durchbruch.

Gemeinsam mit der Flughafengesellschaft baut die Airline gerade einen zweiten Terminal, der im nächsten Jahr fertig sein soll. Hermsen ist überzeugt, dass die Luftfahrtkrise bis dahin überwunden sein wird und die freien Plätze diesmal auch von Anfang an gebraucht werden. Der Flughafenchef geht sogar noch weiter und erwartet in den kommende zehn Jahren eine Verdopplung der Passagierzahlen. Reserveflächen sind vorhanden: Mit dem Terminal 2 und eventuell drei Satelliten könnte eine Kapazität von 50 Millionen Passagieren bewältigt werden. Erst dann würde eine dritte Start- und Landebahn gebraucht, die allerdings in Bayern heftig umstritten ist.

Schon heute profitieren die umliegenden Gemeinden wirtschaftlich gewaltig vom Flughafen. Freising hat seit Jahren bundesweit die niedrigste Arbeitslosenquote. Weltfirmen wie Cisco, Olivetti, Amazon, Cellway oder SAP siedelten sich vor allem wegen der interkontinentalen Flüge in der Nähe an. Im Airport selbst verdoppelte sich die Zahl der Beschäftigten seit 1992 auf über 20.000. Insgesamt hängen vom Flughafen rund 60.000 Jobs ab.

München hat den Sprung vom abschreckenden Beispiel zum Vorzeigemodell geschafft. Eine Privatisierung oder gar ein Börsengang des Bund, Land und Stadt gehörenden Airports lehnt Hermsen seit jeher kategorisch ab: "Die langfristige Zielsetzung, Infrastruktur bereitzustellen widerspricht dem kurzfristigen Gewinnmaximierungsziel".

Von MARTIN-W.BUCHENAU, Handelsblatt

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