Positive Konjunktursignale für die Weltwirtschaft – doch Argentinien wird zum Albtraum
Kommentar: Hoffen und Bangen beim IWF

Die Weltwirtschaft hat die Feuerprobe des 11. September besser überstanden als erwartet. Dies ist die frohe Botschaft von der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Die befürchtete globale Rezession ist ausgeblieben, die Aussichten für einen dauerhaften Aufschwung sind gut. Wieder einmal haben sich die Pessimisten getäuscht, die einen gleichzeitigen, langwierigen Abschwung in den USA, Japan und Europa oder gar eine Krise des internationalen Finanzsystems befürchtet hatten.

Selbst IWF-Chef Horst Köhler musste sich korrigieren: Er hatte die Perspektiven für die amerikanische Wirtschaft zu schwarz gemalt - und damit eine Wette gegen den optimistischeren US-Finanzminister Paul O?Neill verloren. Nun muss Köhler O?Neill zum Abendessen einladen, bei dem der Deutsche und der Amerikaner auf den Aufschwung anstoßen wollen.

Dennoch: Champagnerlaune dürfte in Washington nicht aufkommen. Schließlich ist die erwartete Konjunkturerholung mit zahlreichen Risiken behaftet. Sie reichen von der Nahostkrise und steigenden Rohölpreisen über mögliche neue Terroranschläge in den USA bis hin zum amerikanischen Leistungsbilanzdefizit, das eines Tages zu einer brüsken Abwertung des Dollar führen könnte.

Wie diese Risiken zu bewerten sind, ist im IWF und in der G-7-Gruppe umstritten. O?Neill leugnet zum Beispiel, dass das amerikanische Leistungsbilanzdefizit überhaupt ein Problem darstellt - es sei vielmehr der Beweis für die Attraktivität des Standorts USA. Gleichzeitig wehrt sich Finanzminister Hans Eichel gegen wachsende Kritik am anhaltend schwachen deutschen Wachstum - und verweist auf deutsche Erfolge im Export. Das Schönreden gehört zum täglichen Geschäft der Finanzminister, vor allem in Zeiten des Wahlkampfs. Gemeinsame Strategien zur Stützung des weltweiten Wachstums erleichtert es jedoch nicht.

Für schlechte Stimmung in Washington sorgt zudem die Argentinien-Krise. Sie hat sich zu einem regelrechten Albtraum für IWF-Chef Köhler entwickelt. Denn der IWF musste mehrmals tief in die Tasche greifen, ohne die von Buenos Aires geforderten Reformen und die gewünschten Konsolidierungs-Erfolge zu sehen.

Damit soll nun Schluss sein. Der Fonds will nicht mehr allzeit zahlungsbereite Feuerwehr spielen sondern Finanzkrisen wie in Argentinien künftig schon im Vorfeld abwenden. Der Währungsfonds leitet eine Reform ein, die unter dem Stichwort "Insolvenzrecht für Staaten" für monatelangen Diskussionsstoff gesorgt hatte. Außerdem sollen präzise Regeln im Falle einer nötigen Umschuldung festgelegt werden.

Allerdings glauben selbst Insider, dass es Jahre dauern wird, bis die angestrebte bessere Krisenprävention und-lösung Früchte trägt. Ob am Ende gar ein neues internationales Finanzsystem für das 21. Jahrhundert entsteht, wie der britische Schatzkanzler Gordon Brown verspricht, bleibt abzuwarten. Klar ist nur, dass Argentinien von der am Wochenende beschlossenen Reform nicht mehr profitieren wird. In Buenos Aires, einst Musterschüler des IWF, hat die Krisenprävention der Internationalen Gemeinschaft auf dramatische Weise versagt.

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