Positive Resonanz auf TV-Kanal mit Laufbändern und geteiltem Bildschirm: Viva und AOL starten neuen Musiksender

Positive Resonanz auf TV-Kanal mit Laufbändern und geteiltem Bildschirm
Viva und AOL starten neuen Musiksender

Viva und AOL Time Warner starten am Montag den neuen Musiksender Viva Plus. Die beiden Konzerne investieren mehr als 15 Millionen Euro in den Nachfolgerkanal des Verlustbringers Viva 2.

HB KÖLN. Die Viva Medien AG schickt am 7. Januar ihren neuen Musiksender Viva Plus ins Rennen um die Zuschauergunst. Konzernchef Dieter Gorny wird gemeinsam mit Lynne Frank von AOL Time Warner in Köln den gemeinsamen Lifestyle-Kanal feiern, der den Verlustbringer Viva 2 ersetzt. Die beiden Medienunternehmen investieren nach Brancheninformationen mehr als 15 Mill. ? in Viva Plus. AOL zahlte bereits für seine 49 %-Beteiligung an dem Joint-Venture rund 40 Mill. ?, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Gorny spricht hinsichtlich der Ästhetik von Viva Plus gerne vom "CNN des Musikfernsehens". "Wir haben das Korrespondentenmodell eines Nachrichtensenders zum Strukturelement eines Musiksenders gemacht", sagte Gorny dem Handelsblatt. Viva Plus setzt neben Videolips auf Livereportagen, Schlagzeilenband am unteren Bildschirmrand, geteilten Screen und viel Interaktivität. "Wir wollten keinen einfachen Relaunch eines Musikkanals machen, sondern auch ästhetisch neue Wege gehen." Dazu wurde ein Korrespondentennetz aufgebaut. Reporter aus Los Angeles, London, Hamburg, Köln, Frankfurt, Berlin und München sollen über die Rock- und Popszene berichten. Mitte diesen Jahres kommen noch Tokio und Barcelona hinzu. Die Korrespondenten sind nicht nur Moderatoren, sondern auch Kameraleute, Redakteure, Webmaster und Trendscouts. "Die bewegliche, rough-cut-Atmosphäre ist in enger Zusammenarbeit mit AOL Time Warner entstanden, die ihre Erfahrungen von CNN eingebracht haben." Der weltgrößte Medienkonzern ist bereits jetzt mit 15,2 % Gesellschafter bei Viva. Mit der 49 %-Beteiligung an der neuen Viva Plus GmbH baut AOL Time Warner sein Engagement in Deutschland (Onlinedienst AOL, Nachrichtenkanal CNN, Plattenfirma Warner Musik, Filmproduktion Warner Bros.) weiter aus.

Der Musiksender will 2 % Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen erreichen. "Das neuartige Konzept von Viva Plus findet sowohl bei Werbekunden als auch in der Musikindustrie eine positive Resonanz", ist sich der Viva-Gründer sicher. David Linn, Chef der größte deutschen Mediaagentur HMS Carat, bestätigt den Eindruck. "Die Ästhetik von Viva plus ist bei uns gut angekommen", so der Einkäufer von Werbezeiten. Vor allem für Firmen, die auf Trends abseits des Massengeschmacks setzen, sei Viva Plus geeignet. "Das Konzept von Viva Plus ist überzeugend und bestätigt unsere Kaufempfehlung", sagte gestern auch Medienanalyst Marc Röhder von der HSBC Trinkaus & Burkhardt. Gestern pendelte der Kurs um 9 ?. Das 52-Wochen-Hoch lag noch bei 14,20 ?.

Neue Erlösquellen mit Brainpool

Viva Plus hat es angesichts des schwachen Werbemarktes schwer. "Wohin sich der Fernsehmarkt entwickelt, ist für alle Unternehmen eine ungelöste Frage", erklärt Gorny. Er will mit der Übernahme der ins Schleudern geratenen Fernsehproduktionsfirma Brainpool TV AG ("TV Total", "Wochenshow") sich neue Erlösquellen erschließen. "Mit Brainpool rückt die Abhängigkeit vom deutschen Werbemarkt von bisher weit über 90 % auf deutlich unter 50 %." Brainpool wird zum 11. Januar den Neuen Markt verlassen und in den Geregelten Markt überführt.

Unterdessen ist die europäische Expansion ins Stocken geraten. Die Übernahme des italienischen Senders Rete A kommt nicht voran. Die Vorstellungen über den Wert des Mailänder TV-Kanals gehen offenbar weit auseinander. "Wir wollen nicht jeden Preis zahlen", erklärt Gorny. Viva hatte im Mai letzten Jahren 5 % an Rete A erworben. Ursprünglich wollte Gorny bereits im Oktober die Mehrheit übernommen haben. Der Einstieg auf dem spanischen Markt ist bisher gescheitert. Dennoch will Viva international weiter Flagge zeigen. "Wir reden in mindestens fünf Ländern mit möglichen Partnern", fügt der 47-jährige Vorstandschef an. Osteuropa zählt angesichts des kleinen Werbemarktes hingegen nicht zu den bevorzugten Gebieten des Kölner Konzerns, der seit rund eineinhalb Jahren an der Börse ist.

"Viva war 2001 - wenn auch geringer als erwartet - auf Wachstumskurs. Und dies wird sich auch in diesem Jahr fortsetzen", glaubt Gorny. Die Fernsehgruppe musste zuletzt im Herbst 2001 eine Gewinnwarnung abgeben. "Das Ziel für Viva ist ein zweistelliges Ebit zu erreichen." Für 2002 wird ein Gewinn im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erwartet. Durch die Ausgliederung des Verlustbringers Viva 2 und die Einnahmen durch den Einstieg von AOL Time Warner sind damit erstmals schwarze Zahlen möglich.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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