Positves Ergebnis nur mit "Schweiß und harter Arbeit" zu erreichen
MAN erwartet weiteren Absatzeinbruch bei Lkw

Die Flaute im Lkw-Geschäft wird sich bei der Münchener MAN Nutzfahrzeuge AG auch 2002 fortsetzen. Die MAN-Tochter werde im kommenden Jahr noch einmal zehn Prozent weniger Lastkraftwagen ausliefern als 2001, sagte Vorstandschef Hakan Samuelsson am Donnerstagabend in München. Das wären rund 55 000 Fahrzeuge, mehr als 10 000 weniger als im Rekordjahr 2000, in dem MAN mit über 65 000 Stück die Nachfrage nicht befriedigen konnte.

Reuters MÜNCHEN. Für 2001 rechnet MAN mit gut 60 000 verkauften Lkw. Trotz der kleineren Stückzahlen müsse die Sparte 2002 in die schwarzen Zahlen zurückkehren. "Wir gehen von einem positiven Ergebnis aus. Aber das geht nicht ohne Schweiß und harte Arbeit." In Salzgitter demonstrierten am Freitag rund 2500 Beschäftigte gegen den geplanten Abbau von 850 Stellen.

Für das laufende Jahr erwartet MAN Nutzfahrzeuge wegen der schwachen Konjunktur, vor allem aber auf Grund der hausgemachten Probleme mit der Umstellung auf die neue Baureihe "TG-A" und dem 140 Mill. Euro teuren Bilanz-Betrug bei der britischen ERF einen Verlust. Allein im dritten Quartal schrieb der Lkw-Bauer 62 Mill. Euro Verlust vor Steuern und ließ den MAN-Konzern in rote Zahle rutschen. "Ein richtig gutes Ergebnis kann nicht vor 2003 kommen", fügte Samuelsson hinzu. Dazu sollen eine Ende 2002 anziehende Konjunktur, eine neue Unternehmensstruktur und der Abbau von 4400 Stellen beitragen. Der Lkw-Absatz in Europa wird nach Schätzungen 2001 auch um zehn Prozent zurückgehen.

Ziel für 2003 sei ein Marktanteil von 18 % in Europa, sagte Samuelsson. Derzeit ist er auf den schrumpfenden Markt mit 16,1 % bereits so groß wie nie zuvor. In Deutschland nehme MAN Nutz die 30-Prozent-Marke (2001: 29,3 %) ins Visier. 10 000 MAN-Lkw sind das Ziel für den Übersee-Markt, 8000 sind es schon. Der Schritt auf den US-Markt sei vielleicht in drei Jahren ein Thema. Der neue Vertriebschef Fred van Putten sagte, im Vordergrund stehe in den nächsten 24 Monaten der Ausbau des Händlernetzes in Europa. Priorität hätten Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien.

Der Nutzfahrzeuge-Chef schloss erneut ein Zusammengehen mit einem Konkurrenten nicht aus, dämpfte jedoch hohe Erwartungen in Fusionen. Mit Zukäufen schaffe man sich auch neue Probleme. "Das langweilige organische Wachstum ist eigentlich ganz effektiv." Mit Blick auf die zum Verkauf stehenden Anteile von VW und Volvo an der schwedischen Scania sagte Samuelsson: "Wir suchen keine aktive Lösung. Aber wenn so etwas kommt, schauen wir uns das an."

Die Verlagerung von einfachen, arbeitsintensiven Tätigkeiten nach Polen und in die Türkei müsse fortgesetzt werden, betonte Samuelsson. In Salzgitter, wo MAN 850 Stellen abbauen will und einen Teil der Produktion nach Polen verlagert werden soll, gingen am Freitag 2500 Beschäftigte auf die Straße und forderten MAN auf, die von der Belegschaft vorgelegten Alternativen zu prüfen. Gespräche zwischen der Gewerkschaft IG Metall, Betriebsrat und Werksleitung waren am Donnerstag vorerst gescheitert.

Samuelsson gab zu verstehen, dass MAN auch im Hoch nicht so rasch mehr Personal aufbauen werde als zuletzt. In den letzten drei Jahren hatte der Lkw-Hersteller 5000 Stellen geschaffen. Im nächsten Jahr hält der MAN-Nutz-Chef über den Arbeitsplatzabbau hinaus auch Kurzarbeit möglich. Die einzelnen Werke sollten sich künftig auf einen Typ konzentrieren. In München und Salzgitter werde dann die schwere Baureihe mit über 16 Tonnen entstehen, Sonderanfertigungen nur noch in Wien, während Steyr zum Zentrum für mittelschwere Lkw werden könne.

Die MAN-Aktien, die in den vergangenen Tagen herbe Kursverluste hinnehmen mussten, legten am Freitag in einem allgemein schwächeren Marktumfeld rund drei Prozent auf 22,81 Euro zu.

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