Post-Aktie kein Schnäppchen
Säuerliche Mienen bei Kleinanlegern

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Deutsche Post und ihr Eigentümer Bund haben den Kleinanlegern einen dicken Brocken hingeworfen: 21 Euro (41,07 DM) soll die Post-Aktie kosten, glatt ein bis zwei Euro mehr als im Vorfeld erwartet.

Bei Aktionärsschützern gab es denn auch durchweg säuerliche Mienen. "Da wird sich die Euphorie stark in Grenzen halten", fasst Anneliese Hieke vom Verein der Aktionärinnen ihre Eindrücke zusammen. Post und Bund wollten offenkundig "rausholen, was rauszuholen war". Bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Frankfurt am Main bekommen die Akteure des größten Börsengangs in diesem Jahr ebenfalls keine guten Noten: "Am Montag wird sich klären, ob das nicht ein Schuss nach hinten war", sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz mit Blick auf den bevorstehenden ersten Handelstag der "Aktie Gelb". Die Latte hänge nun "ziemlich hoch".

Ermutigt wurden Post, Bund und die beteiligten Banken wohl von der übergroßen Nachfrage nach der Logistik-Aktie der Deutschen Post World Net AG: Bei den Banken gingen achtmal so viele Kaufanträge ein, wie Aktien zu vergeben waren. Vor allem Investmentfonds aus den Deutschland, den USA, Großbritannien, der Schweiz und Italien schlugen kräftig zu. Aber auch die Kleinanleger und Post-Mitarbeiter orderten fleißig. Sie bekommen nun jeder mindestens 50 Aktien plus 35 % der darüber hinaus gehenden Orders, Postbank-Altkunden sogar mindestens 100 Aktien.

Wer viel bestellt hat, muss nun mit 21 Euro je Aktie ordentlich zahlen. Auch für Frühzeichner fallen bei 50 Cent Rabatt immerhin noch 20,50 Euro (40,09 DM) an. "Wir hatten eher mit 19,50 Euro beziehungsweise 19 Euro für Frühzeichner gerechnet", sagt Kurz, "21 Euro sind da schon ein Schnaps mehr." Es bleibe abzuwarten, ob die Börse das nachvollziehen könne. "Alles unter 15 % Plus am ersten Tag wäre als Misserfolg zu werten", gibt der Aktionärsschützer als Zielmarke vor.

Anneliese Hieke ist ebenfalls skeptisch. Sie rät den Anlegern, die Aktie "zu einem günstigen Zeitpunkt wieder loszuschlagen", aber besser erst nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr oder gar nach Zuteilung der versprochenen Treueaktien. Auch die Depotgebühren müssten bedacht werden, mahnt sie. Steuern und Gebühren könnten Kursgewinne sonst rasch wieder auffressen. Die erfahrene Aktionärsrechtlerin, die schon manchen Konzerherrn auf Hauptversammlungen ins Schwitzen gebracht hat, legt den Anlegern ans Herz, genau wie der Post-Eigentümer Bund auf maximale Einnahmen zu achten. "Bei der letzten Telekom-Tranche und dem gleichen Verkäufer haben wir schlechte Erfahrungen gemacht", erinnert sie an die Verluste, die Privatinvestoren seit dem Sommer mit Aktien des Telefonkonzerns machten.

Auch Rudolf Heinz von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hätte sich "mit einem Preis unter 20 Euro wohler gefühlt, auch mit Blick auf die derzeitige Börsensituation". 21 Euro seien "ein bisschen viel", und der Frühzeic hnerbonus von 50 Cent zugleich "mager". "Wenn es ab Montag deutliche Kurssteigerungen geben sollte, würde ich Gewinne mitnehmen", rät er den Kleinanlegern. Schließlich sei das, was die Deutsche Post biete, nicht risikofrei. Noch sei sie den Beweis schuldig, ob sie die vielen Zukäufe der Vergangenheit gut integrieren könne und für die Zeit nach dem Fall des Briefmonopols gerüstet sei.

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