Archiv
Post-Aktie nichts für Zocker und die schnelle Mark

dpa-afx BONN. Geht es nach Post-Chef Klaus Zumwinkel und Bundesfinanzminister Hans Eichel, steht ab Montag eine weitere Volksaktie nach Preussag, VW, Lufthansa oder Deutsche Telekom zum Verkauf. In sieben europäischen Ländern beginnt die zweieinhalbwöchige Zeichnungsfrist für die "Aktie Gelb", mit der auch Bundesbürger ein kleines Stück vom Logistikriesen Deutsche Post World Net erwerben können. Der Börsengang, für den die Gebrüder Gottschalk seit Wochen trommeln, soll dem Bund nach der UMTS-Auktion weitere Mrd. in die Kassen spülen und die Privatisierung des einst trägen Staatskonzerns unumkehrbar machen. Die Rechnung dürfte aufgehen. Analysten und Fondmanager gehen einmütig von einem freundlichen Börsenstart für die Post aus. Zum Zockerpapier taugt die "Aktie Gelb" indessen kaum, warnen Kenner.

25 bis 29 % der Post-Anteile, geparkt bei der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), sind für den Börsenhandel ab 20. November reserviert. Diese Aktien im Wert von bis zu 7,4 Mrd. Euro (knapp 14,5 Mrd. DM) müssen unters Volk gebracht werden: In Banken und Sparkassen, bei Online-Brokern und - selbstredend - bei der Postbank können bis zum 16. November Kaufaufträge für die "Aktie Gelb" abgegeben werden. Wer sich beeilt und bis zum 10. November ordert, kann auf einen Frühzeichnerrabatt von je 0,50 Euro hoffen. Ab zwei Jahren Haltedauer gibt es zudem es später einen Treuebonus in Form von einer Gratisaktie je 15 Anteile. Mit solchen Anreizen war bereits die Deutsche Telekom gut gefahren.

Entscheidender für den Erfolg des Börsengangs ist indessen die Preisgestaltung. Die meisten Analysten setzen den Aktienpreis bei rund 20 Euro an; die am Samstag bekannt gegebene und reichlich breite Preisspanne reicht von 18 bis 23 Euro. Damit bliebe die Post-Aktie verglichen mit Titeln namhafter Konkurrenten wie UPS aus den USA oder des Logistikkonzerns TNT Post Groep (TPG) aus den Niederlanden fast ein Schnäppchen. Zumwinkel und Eichel dürften ein Interesse daran haben, im Preisgefüge Luft für Kurssteigerungen zu lassen. Pokern sie im derzeit schwierigen Börsenumfeld zu hoch, risikieren sie, auf ihren Aktien sitzen zu bleiben.

Börsenprofis sehen das klassische Publikum für die Post-Aktie weniger im Zocker-Milieu als vielmehr im Kreis der soliden Langzeit-Anleger. Überflieger-Qualitäten werden dem Anteilsschein kaum zugetraut. Zwar werden Post, Bund und die beteiligten Banken alles für einen möglichst fulminanten Börsenstart tun, doch das eigentliche Geschäft der Deutschen Post ist trotz der inzwischen erreichten Größe des Konzerns mühsam und eher renditeschwach. Richtig Geld bleibt nur im nationalen Brieftransport hängen, der noch bis Ende 2002 weit gehend monopolgeschützt ist. Zumwinkel setzt alles daran, seine Abhängigkeit von dieser Sparte zu verringern, um für die Zeit nach dem Monopol gerüstet zu sein. Das Paketgeschäft hat es gerade erst aus der Verlustzone geschafft, und der Bereich Finanzdienstleistungen um die Postbank taugt wenig zum Hoffnungsträger.

Einen Boom erlebt einzig die Logistiksparte: Der Welthandel wächst schneller als das Bruttoinlandsprodukt, Zollschranken fallen, und Trends wie E-Commerce tun ein übriges, um den Warentransport anschwellen zu lassen. Die Firmen gehen dabei verstärkt dazu über, das gesamte Warenmanagement an Profis wie die Post-Tochter Danzas auszugliedern, die dann Bestellwesen, Lagerverwaltung, Einpacken und Ausliefern der Ware sowie das Rechnungswesen übernehmen. Doch noch sind die Gewinnmargen gering. Danzas trägt fast ein Fünftel zum Post-Umsatz, aber weniger als ein Prozent zum Profit bei.

Ein Handicap sind zudem die laufenden Wettbewerbsverfahren gegen die Post in Brüssel. Die EU-Kommission könnte Millionenbußen gegen die Preis- und Rabattpolitik des Unternehmens verhängen und der "Aktie Gelb" damit einen Dämpfer verpassen. Analysten trauen Zumwinkel indes zu, die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Immerhin hat er es bereits geschafft, aus der alten Behördenpost binnen zehn Jahren einen modernen, weltumspannenden Transportkonzern zu schmieden. Und die schützende Hand des Staates dürfte dem Konzern auch noch eine ganze Weile sicher sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%