Post-Börsengang nahm Liquidität aus dem Markt
Zuletzt jede dritte Neuemission im Plus

Insgesamt 13 der 32 seit August 2000 neu eingeführten Dividendenpapiere wurden am Freitagabend mit Aufschlägen auf den Zuteilungspreis gehandelt.

Reuters FRANKFURT. Ein gutes Drittel der Neuemissionen an den deutschen Aktienmärkten hat zum Ende der vergangenen Börsenwoche oberhalb des Ausgabepreises notiert. Insgesamt 13 der 32 seit August 2000 neu eingeführten Dividendenpapiere wurden am Freitagabend mit Aufschlägen auf den Zuteilungspreis gehandelt. Das seien mehr, als er angesichts der zum Teil dramatischen Indexrückschläge der vergangenen Wochen geschätzt hätte, sagte ein Analyst. Dass die Gesamtbilanz aber so schwach ausfalle, liege sicher auch an dem Börsengang der Post, der viel Liquidität aus dem Markt genommen habe. Die Gewinnerliste bei den letzten Börsengängen führt die auf optische Technologien spezialisierte Linos AG an, deren Aktien rund 211 % oberhalb des Ausgabepreises notieren. Gefragt waren auch die Titel des Informationslogisitik-Dienstleisters Caatoosee und des Bioinformatikunternehmens Lion Bioscience . Die Verliererseite wird mit einem Abschlag von 58,8 % auf den Einführungspreis von dem Softwareunternehmen Orbis AG angeführt. Der Medienwert FAME notierte am Freitag rund 50 %, der Internetdienstleister syzygy rund 48 % unter dem Zuteilungspreis.

Gefragt seien derzeit offenbar Titel, die wie Linos profitabel seien und in ihrem Markt ein Alleinstellungsmerkmal aufwiesen, sagte Martin Reich, Analyst bei Invera. Außerdem verfüge Linos mit seinen Komponenten für Industrielaser über hohe Marktanteile, fügte er hinzu. Die Gesellschaft habe das Thema optische Technologie als erste herausgestellt und gute Zahlen vorgelegt, sagte Volker Sack, Analyst bei der Nord/LB, zum Kurserfolg von Linos. Am Markt seien derzeit eher die Aktien von Produkt- als von Softwareunternehmen gesucht, kommentierte Knut Woller, Analyst bei der HypoVereinsbank, den Abwärtstrend von Orbis. Neben dem insgesamt schwachen Markt sei dies wohl die Erklärung für die Entwicklung der Aktie. Die Orbis-Aktie hatte einen schwierigen Start an der Börse. Die Stücke, die am unteren Rand der Preisspanne von 14 bis 17 Euro an den Markt gebracht wurden, waren bereits vorbörslich unter 14 Euro gehandelt worden. Bei der Erstnotiz am Neuen Markt am 25. September wurde der erste Kurs dann mit 12,50 Euro festgestellt.

Firmen wie Fabasoft und update.com, die so wie Orbis Software für das Management von Kundenbeziehungen (CRM-Software) entwickeln und vertreiben, hätten schwache Zahlen vorgelegt. Auch das habe die Papiere belastet, sagte Woller.

Lion Bioscience profitierten offenbar vom Glauben an die Zukunft der Biotech-Industrie, sagte Invera-Analyst Reich. Schließlich stelle Lion Datenbanktools zur Verfügung, die alle Biotechunternehmen benötigten. Die Schwäche bei syzygy und FAME wurde dem harten Wettbewerb in den Bereichen Internet und Medien zugeschrieben. Die Unternehmen müssten den Anlegern erst einmal beweisen, dass sie mit den Etablierten der Branche wirklich konkurrieren könnten, sagten Analysten.

Möglicherweise helle sich die Stimmung für Neuemissionen schnell wieder auf, sagte Norbert Empting, Händler bei der auf den vorbörslichen Handel spezialisierten Börsenmakler Schnigge AG. Ein Indikator dafür könnte nach der Absagewelle der vergangenen Woche der gute Börsenstart von Comtrade am Freitag gewesen sein. Seit Mitte November hatten mit Ares Energie, Infopark, Atlantik Networkxx, Royalty Pharma, dtms und Data Display sechs Unternehmen ihren Gang an die Börse auf unbestimmte Zeit verschoben.

Mit P&T habe erstmals seit langem wieder ein Börsengänger seinen Ausgabepreis am oberen Rand der Bookbuildingspanne festgelegt, ergänzte Empting. Dies könne auch ein positives Signal sein. Die Gesellschaft hatte am Freitag einen Ausgabepreis von 19 Euro bekannt gegeben bei einer Preisspanne von 16 bis 19 Euro. Zur Erstnotiz am 28. November seien angesichts des vorbörslichen Handels wohl "noch 10 % drin", sagte Empting.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%