Post-Chef Klaus Zumwinkel: Der Überzeugungstäter

Post-Chef Klaus Zumwinkel
Der Überzeugungstäter

Klaus Zumwinkel, Chef der Deutschen Post, fährt seit Jahren zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Er schätzt die informelle Atmosphäre des Treffens. Doch diesmal könnte ihn die raue Realität einholen. Mit seinem Einsatz für den ersten Mindestlohn in Deutschland und einer umstrittenen privaten Gelddruckaktion hat er sich bei vielen Kollegen nicht gerade beliebt gemacht.

BERLIN. Klaus Zumwinkel hat schon angenehmere Zeiten beim Weltwirtschaftsforum erlebt. Damals, als der Chef der Deutschen Post aus dem ehemaligen Staatsbetrieb einen Weltkonzern formte und diesen an die Börse brachte, erntete der deutsche Manager auf dem internationalen Parkett viel Lob für seine Arbeit. Heute gilt Zumwinkel als Symbolfigur für die Einführung des ersten Mindestlohns in Deutschland. Monatelang hat der Post-Chef dafür gekämpft, mit breiter Unterstützung der Bundesregierung und gegen die Interessen der Konkurrenz. Was für Zumwinkel "absolut notwendig" ist, gefährdet die Existenz vieler neuer Postdienstleister.

Im verschneiten Davos will der Post-Chef am liebsten gar nicht über den umstrittenen Mindestlohn reden. "Das ist bestimmt kein Thema, auf das ich angesprochen werde. Das ist eine typisch deutsche Debatte, im Ausland gibt es ja längst Mindestlöhne", sagt Zumwinkel. In solchen Sätzen schwingt auch Hoffnung.

Doch der Versuch, der Realität zu entfliehen, könnte scheitern. So will auch Mathias Döpfner, der Vorstandschef des Springer-Konzerns, nach Davos reisen. Der Verlag hält die Mehrheit am Post-Konkurrenten Pin-Group und hat vergeblich Anzeigen gegen den Post-Mindestlohn geschaltet, der seine teure Beteiligung zum wertlosen Abschreibungsobjekt macht. Auf engen Fluren im Davoser Kongress-Zentrum werden sich Döpfner und Zumwinkel kaum aus dem Weg gehen können.

Die Freude auf das Weltwirtschaftsforum will sich der Post-Chef durch solche Begegnungen aber nicht verderben lassen. Zumwinkel, der seit 1990 Stammgast in Davos ist, sehnt sich nach der Abgeschiedenheit in den Schweizer Bergen. "Das fast fensterlose Kongressgebäude hat den Charme eines alten Uni-Hörsaals. Ich fühle mich jedesmal an meine Studentenzeit erinnert", sagt Zumwinkel. Selbst die Kleidung ist fast studentisch. Der Post-Chef verzichtet an diesen Tagen nach Möglichkeit auf eine Krawatte, manchmal behält er wegen der eisigen Kälte sogar bequeme Winterstiefel an. "Es ist einmalig, in einer solchen Umgebung über die chinesische Währung oder die globale Klimaveränderung zu diskutieren", sagt der Post-Chef.

Tagsüber packt sich Zumwinkel seinen Terminkalender voll mit vertraulichen Vier-Augen-Gesprächen. Vor allem will er Kunden treffen, die aus dem letzten Winkel der Welt nach Davos kommen. Ein amerikanischer Geschäftspartner habe vor wenigen Wochen angerufen und ein Treffen am Rande des Weltwirtschaftsforums verabredet. "Für eine halbe Stunde wäre ich wohl kaum nach New York geflogen", sagt Zumwinkel, "aber so ist das natürlich kein Problem."

Auch mit den Vorständen der weltweiten Post-Konkurrenten stehen Gespräche auf dem Programm. Unternehmensgeheimnisse bleiben natürlich außen vor, sagt Zumwinkel. Im Mittelpunkt stünden eher allgemeine Themen, beispielsweise die Herausforderungen der Logistikindustrie durch die höheren Energiekosten. "Niemand lässt sich bei solchen Runden in die Karten schauen, aber man lernt dennoch eine Menge." Schaden kann das nicht, die Anleger warten auf neue Visionen: Seit dem Börsengang der Deutschen Post im Jahr 2001 bewegt sich der Aktienkurs in einem ziemlich engen Korridor um den Ausgabekurs von 21 Euro.

Insgeheim ärgert sich der dienstälteste Chef eines Dax-30-Unternehmens über einen solchen Stillstand. Als Unternehmensberater bei McKinsey war er auf Erfolg gedrillt - und daran hat sich nie etwas geändert. Ein hoher Aktienkurs ist nach Ansicht des Post-Chefs zwar kein Selbstzweck. Er schützt aber vor einer Übernahme.

Und so weit will es Zumwinkel nicht kommen lassen. In seinem Büro in der 42. Etage des Post-Towers in Bonn hängt nicht zufällig ein Ölgemälde mit dem Porträt des Reichs-Postministers Heinrich von Stephan, der Endes des 19. Jahrhunderts das zersplitterte deutsche Postwesen einte. "Was er in Deutschland gemacht hat, mache ich jetzt auf der ganzen Welt", hat Zumwinkel einmal gesagt. Bis zum Welt-Postminister ist es aber noch ein weiter Weg.

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