Post: Lange Laufzeit macht Erhöhungen erträglich
Tarifstreit bei der Post beigelegt

Die Deutsche Post AG und die Gewerkschaft Verdi haben sich nach einem fast vierundzwanzigstündigen Verhandlungsmarathon auf einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit bis 2004 geeinigt. Nach Angaben des Verhandlungsführers der Post, Walter Scheuerle, und des Verdi-Verhandlungsleiters Rolf Büttner sieht der neue Tarifvertrag für die rund 160 000 Arbeiter und Angestellten der Post eine Einmalzahlung im Mai von 43 ? für alle Mitarbeiter vor.

Reuters MÜNSTER. Vom 1. Juni an sollen die Löhne und Gehälter dann um 3,5 % und ein Jahr später um weitere 3,2 % steigen. Nach der am Dienstag in Münster erzielten Einigung wird das Weihnachtsgeld für die ostdeutschen Mitarbeiter erstmalig in diesem Jahr auf das Niveau der westdeutschen Bundesländer angehoben. Die Beamten der Deutschen Post AG sollen für die Monate Mai bis Oktober eine Einmalzahlung von 150 ? erhalten. Danach sollen für sie die Regelungen gelten, die für den öffentlichen Dienst beschlossen werden.

Post-Verhandlungsführer Scheuerle zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. Er sprach von einer für beide Seiten tragfähigen Lösung. Die Deutsche Post habe nun Planungssicherheit bis Ende April 2004. "Die hohen Lohnprozente sind für uns nur angesichts der langen Laufzeit erträglich", sagte Scheuerle. Büttner sprach von einem "insgesamt hervorragenden Ergebnis", das einstimmig von der Großen Tarifkommission angenommen worden sei. Der Abschluss setze zugleich einen Maßstab für den übrigen Dienstleistungsbereich, vor allem aber für die Branchen Spedition und Logistik. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags habe lange im Zentrum der Verhandlungen gestanden.

Verdi hatte für die Arbeiter und Angestellten der Post ursprünglich 6,5 % mehr Lohn und Gehalt gefordert und in den vergangenen Tagen mit zahlreichen Warnstreiks versucht, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen waren unter anderem Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Am Dienstag gab es Verdi zufolge dagegen keine Warnstreiks mehr. Scheuerle wollte sich nicht zu den Kosten äußern, die der Post durch die Arbeitskampfmaßnahmen entstanden.

Weiter Warnstreiks im Einzelhandel

Im Tarifkonflikt des westdeutschen Einzelhandels standen nach Angaben eines Verdi-Sprechers die Zeichen dagegen weiter auf Arbeitskampf. Während die Tarifpartner in Hamburg in die dritte Verhandlungsrunde gingen, wurden in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland die Warnstreiks fortgesetzt. Rund 1 500 Beschäftigte legten der Gewerkschaft zufolge in Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder. Betroffen waren vor allem Filialen der KarstadtQuelle AG. Im Saarland wurde ein Kaufhof-Warenhaus bestreikt. In einigen ostdeutschen Bundesländern und Berlin liefen die Tarifverträge dagegen erst zum 30. Juni aus. Bislang sei es nur in Sachsen zu vereinzelten Warnstreiks gekommen. Im thüringischen Einzelhandel findet in der kommenden Woche die zweite Verhandlungsrunde statt. Verdi fordert für die 2,5 Mill. Beschäftigten 6,5 % mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber hatten bislang 1,7 % angeboten.

Auch bei den Tarifgesprächen für die Deutsche Telekom AG haben Arbeitgeber und Verdi bislang keine Einigung erzielen können. Ein Verdi-Sprecher sagte am Montagabend, die große Tarifkommission solle am Mittwoch über das Angebot der Arbeitgeber beraten und möglicherweise auch darüber entscheiden, ob die Verhandlungen für gescheitert erklärt werden sollten. Ein Telekom-Sprecher sagte dagegen, er gehe davon aus, dass sich die Tarifparteien am 27. Juni zur vierten Tarifrunde träfen. Zuvor hatte die Telekom nach eigenen Angaben angeboten, vom 1. Juli an die Entgelte um insgesamt 3,8 % zu erhöhen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nannte das Angebot eine Provokation und bezifferte es nach eigenen Berechnungen auf lediglich 3,1 %.

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