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Post muss USA-Probleme in den Griff bekommen

vwd DÜSSELDORF. Als Doyen der Dax-Konzernlenker hat er jede Menge Auszeichnungen gesammelt. Die jüngste nahm Klaus Zumwinkel vor kurzem im New Yorker Hyatt entgegen - für seinen "außergewöhnlichen Beitrag zur Stärkung der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen". Im eigenen Unternehmen hätte er einen solchen Preis sicher nicht bekommen: Die Deutsche Post macht in den USA nämlich mehr und länger Anlaufverluste als geplant. Ob und wie Zumwinkel die Probleme in den Griff bekommt, ist im nächsten Jahr die wichtigste Frage. Analysten sind hier wie insgesamt für den Konzern aber recht zuversichtlich und sehen erneut Zunahmen bei Aktienkurs und Dividende.

Noch im Halbjahresbericht dieses Sommers hatte Zumwinkel betont, man sei "auf einem wirklich guten Weg", Ende 2005 die weltweite Nummer eins in der Logistik zu werden. Bei der Vorlage der Neunmonatszahlen war dann von diesem Ziel nicht mehr die Rede. Kein Wunder, schließlich musste der Manager in der Zwischenzeit eingestehen, die Herausforderungen in den USA unterschätzt zu haben und dort die Gewinnschwelle nicht 2005, sondern erst Ende 2006 erreichen zu können. Das verhagelte Zumwinkel die Ergebnisplanung gleich der gesamten Express-Sparte für dieses Jahr und veranlasste ihn, seinen langjährigen Weggefährten und mutmaßlichen Kronprinzen Uwe Dörken zu feuern.

Die Post will in den USA den etablierten Expressriesen UPS und FedEx Paroli bieten und hatte dazu 2003 für immerhin eine Mrd Euro den kleineren Dienstleister Airborne gekauft. Nur so kommt sie auf die nötigen Volumina, um durch Skaleneffekte ihr bestehendes defizitäres DHL-Netz in den USA profitabel zu machen. Doch bei der Integration zeigte sich, dass Airborne Investitionen in Infrastruktur, Marketing und Service vernachlässigt hatte. Dafür nimmt die Post nun noch einmal richtig viel Geld in die Hand. Die Folge: 500 Mio statt 300 Mio Euro Verlust werden dieses Jahr erwartet, 2005 soll das US-Geschäft dann erneut bis zu 300 Mio Euro Miese machen.

Analysten halten es grundsätzlich für richtig, jetzt zu klotzen statt zu kleckern. Denn wenn die Probleme behoben seien, dürfte die Wachstumsstrategie aufgehen und der gegenüber den beiden Hauptkonkurrenzen noch geringe Marktanteil der kombinierten DHL-Airborne zunehmen, meint etwa Klaus Linde von SES Research. Engagements in den USA hält er für zwingend und sinnvoll, schließlich seien hier Margen von 5 Prozent bis 7 Prozent drin. Im neuen Jahr aber will Linde erste Integrationserfolge sehen - sonst dürfte die "Aktie Gelb" die gut 22 Euro, die er als Kursziel für die nächsten zwölf bis 15 Monate gesteckt hat, nicht erreichen, meint der Analyst.

Bei 19 Euro sieht sein Kollege Per-Ola Hellgren, der das Papier wie viele andere Beobachter ebenfalls zum Kauf empfiehlt, die Notierung Ende kommenden Jahres. "Die Aktie ist aus fundamentaler Sicht unterbewertet", meint der Experte der Landesbank Rheinland-Pfalz. Während das Expressgeschäft dieses Jahr wegen der US-Probleme enttäuscht, wird die Logistiksparte mehr Gewinn abwerfen als geplant. 2005 erwartet Hellgren hier allerdings nur noch moderate Zuwächse. Deutlich optimistischer ist Markus Hesse, der die Post für die HypoVereinsbank beobachtet. Momentan profitierten alle Logistikanbieter von einer Branchenkonjunktur, und das dürfte auch bis ins nächste Jahr anhalten.

Hesse kann sich vorstellen, dass die Post 2005 oder 2006 den Bereich Kontraktlogistik, also maßgeschneiderte Komplettlösungen, durch Zukäufe verstärkt, während Hellgren Bedarf bei Express in Asien und speziell in Indien sieht. Außerdem erwarten die Analysten im Vorfeld der Europäischen Liberalisierung im Briefbereich erste Beteiligungen an ausländischen Ex-Monopolisten wie etwa in Dänemark, wo die Post Interesse an einem Viertel der Anteile hat. Auf dem deutschen Markt machen ihr weitere Portosenkungen und Volumenrückgänge im klassischen Briefgeschäft zu schaffen. Werbepost und internationaler Versand können das wohl erneut teilweise kompensieren.

Insgesamt rechnet Hesse für 2005 zwar mit einem neuerlichen leichten Umsatzrückgang in der Briefsparte, aber dank weiterer Kostensenkungen mit stabilen Margen. Alles in allem dürfte die Post nach Ansicht der Analysten auch mindestens ihr Ziel erreichen, das Konzernbetriebsergebnis auf 3,6 Mrd Euro zu hieven - das sind immerhin über 400 Mio mehr als die Durchschnittsschätzung der Experten für dieses Jahr. Helfen soll noch einmal das Fitnessprogramm "Star", das Ende 2005 nach dann gut zwei Jahren ausläuft. Hesse hält aber auch eine Verlängerung für möglich: "Ich kann mir vorstellen, dass man sich da neue Ziele setzt."

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